Es muss nicht immer Apfel sein – Wildfrüchte aus dem eigenen Garten

„Die sind doch giftig!“ kommt es von mehreren Mitgliedern wie aus einem Munde, als ich ein paar Beeren von der Felsenbirne nasche – ein öfter wiederkehrendes Ereignis bei Gartenbegehungen und Schnittkursen. Nachdem dann alle probiert haben, folgt das Erstaunen darüber, was für wohlschmeckende Früchte man über Jahre ausschließlich den Vögeln überlassen hat.

Neben den bekannten Obstarten gibt es eine Vielzahl von so genannten Wildobstarten, die sich im Hausgarten anbauen lassen. Sie stellen zum einen eine Bereicherung für den Garten dar und liefern gleichzeitig vitaminreiche Früchte zum frisch genießen und zur Verarbeitung.

Unter Wildfrüchten versteht man verschiedenste Gehölze, deren Früchte züchterisch wenig oder gar nicht verändert sind. Wildfruchtsträucher sind meist sehr robust, optisch reizvoll, ihre Früchte sind gesund und oft außergewöhnlich im Geschmack. Die Sträucher können im Garten gleichzeitig als Sicht- und Windschutz dienen und sind wichtige Nähr- und Schutzgehölze für Vögel und Insekten.

Viele Gründe also, sich näher mit einer kleinen Auswahl an Wildfrüchten zu beschäftigen und sich vielleicht ein paar der folgenden Pflanzen in den Garten zu holen.

 

Die Felsenbirne ist ein schöner Strauch mit essbaren und besonders leckeren Früchten.

Felsenbirne 

Amelanchier Sorten z.B. lamarkii oder ovalis

Weiße Blüten im Frühjahr, wohlschmeckende Beeren im Sommer, eine tolle Herbstfärbung und eine schöne Wuchsform, damit ist dieser Strauch eigentlich ein `Muss´ für jeden Gartenbesitzer. Die Früchte schmecken leicht nach Heidelbeere und lassen sich zu Marmelade, Kompott und Süßspeisen verarbeiten. Roh sollten sie nur in kleinen Mengen gegessen werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Eberesche ist nicht nur schön, sondern auch nützlich. Durch das Abkochen werden auch ihre Früchte genießbar.

Eberesche

Sorbus aucuparia beste Sorte für die Verarbeitung: `Edulis´

Die rohen Beeren sind wie beim Holunder leicht giftig und werden im Volksmund oft auch Vogelbeeren genannt. Abgekocht und verarbeitet eignen sie sich jedoch zur Herstellung von Süßmost, Gelee, Sirup, Marmeladen auch in Mischung mit Brombeere, Apfel oder Quitte. Dieser Kleinbaum ist ökologisch wertvoll und eine Zierde für jeden Garten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sie schaut nicht nur in der Blühte schön aus, sie schmeckt auch: Die Mispel.

Mispel

Mespilus germanica

Ein Strauch, der früher fast in jedem Garten stand, denn die Früchte wurden als Zusatz für Most und Wein verwendet.

Nach dem ersten Frost werden die weichen Früchte mit ihrem süß-säuerlicher Geschmack geerntet und lassen sich dann zu Marmeladen, Mus oder Gelee verarbeiten. Auch als Ziergehölz, mit seinen schönen, weißen Einzelblüten verdient dieser Strauch wieder einen Platz in unseren Gärten.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Knorpelkirsche ist nicht nur lecker, sie ist auch eine Vitamin C -Bombe.

Kornelkirsche

Cornus mas

Dieser Großstrauch zeigt im Frühjahr als einer der Ersten seine gelben Blüten. Die roten Früchte enthalten sehr viel Vitamin C, sind geschmacklich der Sauerkirsche ähnlich und lassen sich zu Marmeladen (Mischung mit z.B. mit Birne), Gelee, Wein, Likör und Schnaps verarbeiten. Mit Gewürzen und Weinessig eingelegt schmecken sie auch als besonderer Olivenersatz.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Apfelbeere

Aronia melanocarpa

Dieser robuste Strauch aus Nordamerika ist anspruchslos und bekommt eine schöne Herbstfärbung. Die säuerlichen Früchte schmecken leicht nach Heidelbeeren, sie werden für Saft, Marmeladen, Kompott, Soßen und als Färbemittel verwendet.

Sibirische Blaubeere oder Kamtschatkabeere

Lonicera kamtschatica

Dieser kleine Strauch sollte im Obstgarten nicht fehlen. Bereits im Mai reifen die vitaminhaltigen Beeren, die sich besonders als Naschobst für Kinder eignen, aber auch für Saft, Kompott, Mus und Marmelade Verwendung finden.

Gemeiner Bocksdorn/Gojibeere

Lycium barbarum

In China schon lange als nährstoffreiche und gesunde Beeren geschätzt, galten die Früchte dieses stacheligen Strauches bei uns lange als giftig. Verwendung finden diese sowohl frisch, als auch getrocknet für Müsli, Fruchtsalate und Joghurt.

Ein Rückschnitt des Strauches zur Verzweigung ist empfehlenswert. Achtung: treibt Ausläufer.

Auch exotische Früchte wie Kaki Diospyros kaki  (auch Honigapfel oder Sharonfrucht) oder die aus Nordamerika stammende so genannte Indianerbanane (Pawpaw bot. Asimina triloba) lassen sich in unseren Gärten anbauen und bereichern das Angebot an Früchten.

Unser Tipp: Legen Sie sich doch im Garten eine Wildobsthecke an, die nur aus Sträuchern mit essbaren Früchten besteht. So lassen sich bei jedem Gartenrundgang vitaminreiche Beeren naschen. Bei jeder Verwendung von Wildfrüchten sind gute Pflanzenkenntnisse die Voraussetzung, um Verwechslungen auszuschließen.

Sven Görlitz, Gartenberater Verband Wohneigentum Baden-Württemberg e.V.