Weit mehr als 200.000 Haus- und Wohnungsbrände passieren Jahr für Jahr in Deutschland. Die Sach- und Personenschäden, die dadurch entstehen, sind gewaltig. Grund genug, einmal auf die Brandunrsachen und Gefahrenquellen hinzuweisen. Beim Wohnen, beim Hausbau, bei Modernisierungen, beim Um- und beim Ausbau.

Im Brandfall meistens schnell vor Ort: die Feuerwehr

Die meisten Haus- und Wohnungsbrände lassen sich vermeiden. Dass Vorbeugung tatsächlich hilft, hat das Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung stichhaltig herausgefunden. Dieses Institut untersuchte im Jahr 2017 mögliche  Brandursachen.

Mit einem überraschend klaren Ergebnis: Mehr als die Hälfte aller Brände haben zwei Ursachen – Elektrizität und menschliches Fehlverhalten. Da über die Jahre hinweg konstant fast ein Drittel aller Brandfälle Strom als Ursache haben (31%), sollte genau da das Hauptaugenmerk bei Brandschutz und Brandverhütung liegen.

Häufigste Brandursache: Elektrizität

Auch der TÜV sieht, dass Planung und Ausführung von Elektroinstallationen „eine zentrale Rolle“ beim Brandschutz spielen. So vermittelt der „TÜV Süd“ in Seminaren das entsprechende Know-how: „Der Leitungsführung in Treppenräumen, Fluren und durch raumabschließende Bauteile sowie der Kabelabschottung kommt eine besondere Bedeutung zu“, heißt es dort. Keine Frage: Wer bei Elektroinstallationen brandschutzgerecht vorgehen möchte, braucht fundiertes Fachwissen.

Dabei geht es nur zum Teil darum, Strom als Brandursache weitgehend auszuschließen. Das Thema greift weiter: Wie gefährlich sind die Installationen, wenn es denn tatsächlich einmal brennt? Was funktioniert im Brandfall überhaupt noch? Klappt es mit der Notfallbeleuchtung?

„Menschliches Fehlverhalten“ – Signal für mehr Aufmerksamkeit

Da aber bei rund 20% aller Brände die Ursache nie aufgeklärt wird, bleibt viel Spielraum für Spekulationen. Was die Schadenforscher auch herausfanden: Blitzeinschläge, Explosionen und Selbstentzündungen spielen in der Statistik nahezu überhaupt keine Rolle. Sogar Brandstiftung ist als Brandursache wesentlich häufiger anzutreffen als offenes Feuer oder feuergefährliche Arbeiten.

Interessante Ergebnisse (Diagramm veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der IFS-Datenbank)

Untersucht wurden insgesamt rund 1.500 „Brände, die erhebliche Schäden in und an Gebäuden verursacht haben“, wie das Institut schreibt.

Brandschutz im Grundgesetz verankert

Wie wichtig Brandschutz ist, zeigt ein Blick ins Grundgesetz. Schon dort ist er verankert. Schließlich geht es dabei um nichts Geringeres als um das Recht auf Unversehrtheit und  den Schutz für Leib und Leben. Die Details sind dann in den jeweiligen Landesbauordnungen (LBO) aufgeführt. Die sind nur in zentralen Fragen einheitlich – wie etwa bei der Pflicht, Rauchmelder in Haus und Wohnung zu installieren. 

„Bauliche Anlagen sind so anzuordnen und zu errichten, dass der Entstehung eines Brandes und der Ausbreitung von Feuer und Rauch (Brandausbreitung) vorgebeugt wird und bei einem Brand die Rettung von Menschen und Tieren sowie wirksame Löscharbeiten möglich sind.“ Damit beginnt das Thema in der Landesbauordnung von Baden-Württemberg. Somit ist klar: Brandschutz steht schon bei der Planung weit oben auf der Prioritätenliste.

Wichtig: Unabhängige Beratung

Die LBO geht deshalb direkt auf die Brennbarkeit von Baustoffen ein, auf den Feuerwiderstand von Konstruktionen und auf die Gestaltung von Rettungswegen. Experten raten, sich bei den Auflagen zum Brandschutz immer an der nächsthöheren Gebäudeklasse zu orientieren. Wenn beim privaten Hausbau beispielsweise die Gebäudeklasse 1 greift, ist es ratsam, sich an den höheren Anforderungen zu orientieren, die für die  Gebäudeklasse 2 verlangt werden.

Und was die Rettungswege angeht: Hier muss bei der Planung gleich an Fluchtmöglichkeiten gedacht werden. Ein Beispiel: Rollläden sollten unbedingt auch manuell bedient werden können.

Rollläden sollten manuell bedienbar sein

Auch eine gute Erreichbarkeit für Rettungsfahrzeuge und Sanitäter muss gewährleistet sein. Die Feuerwehr braucht Aufstellflächen. Und sie muss das Objekt mit Löschwasser problemlos erreichen können. Auch ein unabhängiger Sachverständiger sollte gleich von Anfang an zur Prüfung des Brandschutzes hinzugezogen werden. Wer unabhängige Beratungen schätzt, verlässt sich natürlich immer gern auf die Angebote vom Verband Wohneigentum Baden-Württemberg.

Baustoffe gut wählen

Bei der Wahl des Baustoffs muss also auch darauf geachtet werden, wie entflammbar er ist. In Deutschland sind Baustoffe in Klassen der Brennbarkeit unterteilt. Von der Baustoffklasse A1 oder A2 (nicht brennbar) über schwer (B1) und normal entflammbar (B2) bis zu B3 – leicht entflammbar. Brennbare Baustoffe, die verwendet werden dürfen, sind unter anderem Holz und Holzwerkstoffe mit einer Dicke von mehr als zwei Millimetern.

Auch Gipskarton-Verbundbauplatten, PVC-Fußbodenbeläge und textile Fußbodenbeläge gehören in die erlaubte Kategorie. Erlaubt – aber nicht unbedingt empfehlenswert. Besser – auch für die  Innenbereiche – sind Materialien wie Beton, Stahl oder Steinzeug.

Auch Wohneigentümer sollten Fluchtwege bedenken

Photovoltaikanlagen und Brandschutz

Bei Photovoltaikanlagen stehen normalerweise andere Dinge im Vordergrund. Der  Eignungscheck etwa – oder die Fördermöglichkeiten.

Aber wenn die  Anlage nach sorgfältiger Prüfung abgenommen wird, spielt auch Brandsicherung eine Rolle. Regelmäßige Kontrollen sind wichtig, schon weil die Photovoltaikanlage übers Jahr unterschiedlichsten Witterungen ausgesetzt ist. Mit einer Infrarotkamera lassen sich Bereiche erkennen, die sich erhitzen und so einen Brand verursachen könnten.

Solaranlage: Warnschilder für Helfer

Die Solarmodule sollten mindestens im Abstand von fünfzehn Zentimetern zueinander montiert sein. Das erleichtert der Feuerwehr im Notfall den Zugang. Der Online-Ratgeber Strom-Magazin geht weiter: „Für den Ernstfall ist es wichtig, Warnschilder für die Feuerwehr und einen gut verständlichen Feuerwehrplan mit Leistungsverlauf an passender Stelle aufzuhängen.“

Solaranlage als Brandherd? Mit entsprechenden Vorkehrungen nicht!

Außerdem wird geraten, bei der Kabelverlegung einen gefahrlosen Zugang zum Dach zu schaffen. Kein Feuerwehrmann will sich durch lose Kabel ins Risiko setzen. Übrigens gibt es inzwischen auch spezielle Vorrichtungen, die für das Abschalten der Anlage im Brandfall sorgen.

Tipp: Prüfender Gang durchs Haus

Noch einmal: Jeder fünfte Brand in einem Wohnhaus ensteht durch menschliches Fehlverhalten. Um einen Brand zu vermeiden, lohnt sich also ein prüfender Gang durchs Haus. Dabei sollte man auf Kleinigkeiten achten, etwa dass keine brennbaren Stoffe in direkter Nähe zum Kachelofen stehen. Dass bei Leitungen, die möglicherweise Hitze entwickeln, nichts „anbrennen“ kann. Dass die Batterien in den Rauchmeldern nicht leer werden. Und dass immer ein Feuerlöscher greifbar ist – je nach Hausgröße dürfen es natürlich auch mehrere sein.

Viele Wohneigentümer haben nach Hausbau und Einzug von einigen Materialien noch Reste übrig. Die kann man vielleicht noch brauchen – etwa zum Ausbessern von Schäden oder für Sanierungsmaßnahmen. Hier ist vor allem darauf zu achten, dass diese Dinge nicht im direkten Wohnbereich gelagert werden. Auch Altpapier im Wohnraum kann als Brandbeschleuniger gelten. Und wer Sperrmüll im Keller lagert, sollte auch daran denken: Was gut brennt, gehört dort nicht hin!

Weihnachtszeit und Silvester – brandgefährliche Zeiten!

Immer dabei bleiben: Adventskranz am vierten Advent

Im Winter ist die Brandgefahr übrigens höher als im Sommer. Heiße Heizungsleitungen und Kaminöfen ebenso Brände verursachen wie Adventskränze und Weihnachtsbäume – oder Silvesterknaller und Raketen, die unglücklich landen. Also: An Weihnachten und Silvester immer einen Eimer mit Wasser in Griffnähe haben.

Bauherren-Schutzbund mit Brandschutz-Ratgeber

Übrigens hat unser Partner Bauherren-Schutzbund einen umfangreichen Ratgeber zum Thema Brandschutz erstellt. Das „Brandschutz-ABC“ ist online verfügbar – natürlich kostenlos. Sogar für Nichtmitglieder.

Zum Schluss noch ein Thema, das vor allem die Feuerwehren im ländlichen Raum betrifft: Ohne Ehrenamt ist da meistens nichts zu machen. Gerade in dünnbesiedelten Gegenden wie etwa auf der Schwäbischen Alb oder im Schwarzwald sind die Bewohner im Notfall auf freiwillige Helfer angewiesen.

Und die werden weniger. Denn wie überall, etwa auch beim Verband Wohneigentum Baden-Württemberg, geht die Anzahl der im Ehrenamt Engagierten auch bei den Feuerwehren zurück. Bei den Freiwilligen Feuerwehren im Land sind die Konsequenzen zwar leichter einsehbar als etwa bei der Organisation von Kinder- und Jugendfreizeiten oder Seniorennachmittagen – das Problem allerdings ist grundsätzlich dasselbe. Dieser Filmbeitrag des SWR zeigt das deutlich:

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