Der Sommerschnitt an Gehölzen

„ Einen Schnittkurs im Sommer?“ Noch immer stößt man bei vielen Gartenbesitzern auf großes Unverständnis, wenn man als Termin für einen Schnittkurs den Sommer und nicht den Winter vorschlägt. Aber der Sommerschnitt setzt sich, gerade in der Baumpflege, die letzten Jahre mehr und mehr durch. Da es auch hier keine allgemeingültige Regel gibt, gilt es das Für und Wider abzuwägen.

Woher kommt der Winterschnitt?

Traditionell wurden Bäume im Winter geschnitten, aus einem einfachen Grund: Die Obstbäume wurden von Landwirten gepflegt und die Ziergehölze in den Parks von Gärtnern. Beide Berufsgruppen sind von Frühjahr bis Herbst mit vielen anderen Aufgaben beschäftigt. Der Grund für den traditionellen Winterschnitt ist also der organisatorisch günstige Zeitpunkt.

Entscheidend für den richtigen Schnittzeitpunkt sind die verschiedenen Phasen, die eine Pflanze in einem Jahr durchläuft. In diesen Phasen reagiert sie unterschiedlich auf äußere Eingriffe

Im zeitigen Frühjahr muss die Pflanze aus eigener Kraft den Saftfluss anregen um die Knospen zum Austrieb zu bringen. Dies geschieht mit Hilfe eingelagerter Stoffe, da noch keine Photosynthese stattfindet.

  • Im späten Frühjahr bis zum Sommer laufen die meisten Wachstums- und Photosyntheseprozesse ab.
  • Im Spätjahr lagert die Pflanze Reservestoffe ein, die sie für den Austrieb benötigt.
  • Im Winter ruhen alle Vorgänge in der Pflanze.

Diese verschiedenen Phasen führen zu völlig unterschiedlichen Reaktionen der Pflanze auf einen Eingriff:

In der Zeit des Knospenbruchs und des ersten Austriebes, sowie im Spätjahr zur Zeit der Blattfärbung, befinden sich die Pflanzen in ihrer schwächsten Phase und sollten daher in dieser Zeit nicht geschnitten werden.

Während der Ruhephase im Winter kann eine Pflanze nicht auf einen Schnitt reagieren, das heißt Schaderreger wie Baumpilze können in dieser Zeit ungehindert ins Holz eindringen. Das Behandeln der Wunde mit Wundverschlussmittel bringt oft nicht die gewünschte Wirkung, da sich die Keime direkt nach dem Schnitt auf der Wunde festsetzen.

Des Weiteren wird ein Gehölz auf einen Winterschnitt meist mit einem extrem starken Neuaustrieb reagieren, so dass die gewünschte Wirkung des Auslichtens schnell zunichte ist. Wird dieser starke Rückschnitt im Winter über mehrere Jahre praktiziert, kann dies die Pflanze stark schwächen.

In der Zeit der vollen Belaubung kann eine Pflanze auf einen Eingriff am besten reagieren, es findet direkt ein Einsetzen der Wundüberwallung statt und viele Krankheitserreger werden durch biochemische Prozesse von einem Eindringen in die Pflanze abgehalten.

Der Sommerschnitt bringt neben der Pflanzengesundheit aber auch noch einige andere Vorteile mit sich:

  • Auslichtungsmaßnahmen zeigen sofort ihre Wirkung.
  • Abgestorbene, sowie kranke und von Schädlingen befallene Pflanzenteile sind leicht zu erkennen und können entfernt werden.
  • Bei Obstbäumen führt mehr Sonneneinstrahlung zu einer besseren Fruchtreife.
  • Ein starker Neuaustrieb findet nicht statt.
  • Frische Wasserschosse können im Juni ausgebrochen werden (Juniriss), damit werden auch die Augen am Astansatz entfernt.

Sicherlich kann der Sommerschnitt auch einige Nachteile haben:

  • Der Kronenaufbau der Pflanze ist oft schwerer zu erkennen.
  • Im Baum lebende Tiere werden gestört. Es ist selbstverständlich immer darauf  zu achten, dass sich keine brütenden Vögel oder Insektennester in den zu schneidenden Bäumen oder Sträuchern befinden.
  • Die `schweißtreibende´ Arbeit des Schneidens kann im Sommer eher unangenehm sein.

Fazit:

Sicherlich gibt es nicht den richtigen Schnittzeitpunkt, so findet z.B. der Schnitt an einigen Ziergehölzen wie an Rosen, vielen sommerblühenden Sträuchern und Weinreben im zeitigen Frühjahr statt. Aus Sicht der Pflanzengesundheit ist es jedoch sinnvoll, gerade größere Schnittmaßnahmen im Sommer zu erledigen.

Gehölze, die zu einem starken Saftfluss („bluten“) neigen, sollten nur im Sommer geschnitten werden. Dazu gehören z.B. Kirschen, Ahornarten, Birke, Hainbuche und Walnuss.

Sven Görlitz, Gartenberater Verband Wohneigentum Baden-Württemberg e.V.

 

 

 

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