Garten im Winter: Glück zu jeder Jahreszeit

In den Wintermonaten zeigt sich der Garten von einer ganz besonderen Seite, die man gar nicht genug herausheben kann. Für viele Gartenbesitzer beginnt das Gartenjahr im März und endet mit dem kompletten Abräumen der Pflanzen und dem Umgraben der Beete im Oktober. Schade eigentlich – denn damit versäumt man, dem Winter im eigenen Garten eine Kulisse für seinen Auftritt zu geben. Dabei ist es gar nicht schwer, auch im Winter richtig Freude am Garten zu haben.

Der Staudengärtner Karl Foerster erkannte schon vor etlichen Jahrzehnten, wo reichlich Potenzial im Garten liegt: im Winter. „Wenig Menschen wissen, dass schon in der Schneeglöckchenzeit vierzig bis fünfzig Blütenstauden und Blütensträucher bunte Farben in den winterlichen Garten tragen und uns einen ganzen Gartenblumenmonat mehr bringen können, als unsere Eltern kannten.“ Heute wissen wir: Es muss nicht einmal bei diesem einen Monat bleiben.

Nicht abgeschnittene Gewächse sind ein wichtiger Bestandteil im Leben von Vögeln und Insekten.

Unordnung? Nicht für Kenner!

Denn glücklich ist jetzt der Gartenfreund, der die Arbeit des Ab- und Aufräumens auf das zeitige Frühjahr verschoben hat. Spätestens wenn der erste Raureif die Gräser und Blütenstängel überzieht, weiß man: Es war gut, alles stehen zu lassen. Sicher sieht der Garten auf den ersten Blick etwas unordentlich aus – aber das darf uns jetzt nichts ausmachen. Denn wir werden belohnt dafür, dass wir unsere Ordnungsliebe für einen Moment hintenan stellen. Aus einem einfachen Grund: Weil wir bei der Gartengestaltung das Ganze im Blick haben – und somit den kompletten Jahreslauf.

Gut für die Tierwelt: Stauden im Winter stehen lassen

Vor allem der Tierwelt im Garten tut man einen großen Gefallen, wenn man seine Arbeitswut schon im Herbst zügelt. Viele Vogelarten holen sich nämlich die verbliebenen Samen der Stauden. Und liegengebliebenes Laub sowie die Stängel der Pflanzen bieten einen fast perfekten Überwinterungsschutz für die verschiedensten Insekten. Die unzähligen Helfer im Gartenboden sind dankbar für eine Mulchschicht aus Herbstlaub auf den Gemüse- und Pflanzbeeten. Denn die dienen ihnen als erstklassiger Winterschutz.

Je schöner und reicher ein Garten im Sommer ist, desto schöner ist er auch im Schnee.
Karl Foerster (1874-1970)

Der Schnee-Garten

Fällt der erste Schnee, verändert sich das Bild des Gartens mit einem Schlag. War eben noch alles braun und matschig, erstrahlt jetzt der Garten in neuem Glanz und in ungewohnter Ruhe. Alle Geräusche sind gedämpft. Rasenmäher, Motorsägen, Häcksler und Laubbläser haben zum Glück endlich einmal Pause. Das Ergebnis: Wir können damit den Garten umso mehr genießen.

Dass sich ein Garten, der im Sommer schön und reich ist, seine Schönheit auch im Winter bewahrt – das stimmt tatsächlich. Denn wie im Zitat von Staudengärtner Karl Foerster zeigt sich ein vielfältig gestalteter Garten auch jetzt von seiner schönsten Seite: Der immergrüne Buchs mit seiner Schneehaube und der Bambus mit seinem hellgrünen Blättern werden zum Blickfang im winterlichen Garten.

Blickfang im winterlichen Garten

Die Stängel der Königskerzen ragen aus dem Weiß, der Teich ist zu einem schwarzen Spiegel geworden – und die Blüten der Zaubernuss kündigen uns schließlich das nahende Frühjahr an. Traurig und trist ist der Garten aber im Winter, wenn er tatsächlich nur aus Rasenfläche und Thujahecke besteht.

Aber bald beginnt ja die Zeit, in der man mit der Umgestaltung beginnen kann – für einen lebendigen Winter-Garten im nächsten Jahr.

Gartenarbeiten im Winter

Doch auch im Winter gibt es einige Arbeiten zu erledigen: Hecken und Sträucher sind von Schneelasten zu befreien, bevor die Zweige brechen. Ist der Winter trocken und schneearm, sollten Sie Ihre immergrünen Pflanzen bei frostfreiem Boden hin und wieder wässern, um Trockenschäden zu vermeiden.

An den Obstbaumstämmen und den jungen Hochstammbäumen ist gerade im Januar ein Kalkanstrich sinnvoll, um Frostrisse zu vermeiden. Diese entstehen meist auf der Südseite des Stammes, wenn die Wintersonne die gefrorene Rinde dort erwärmt. Verantwortlich dafür ist der daduch entstehende Wechsel von Frost und Tau.

Leimringe an Obstbäumen prüfen

Auch sollten die Leimringe an den Obstbäumen hin und wieder überprüft und gegebenenfalls erneuert werden, da die Weibchen des Frostspanners auch noch im Januar an den Stämmen hochklettern. Vergessen Sie Ihre Kübelpflanzen im Keller nicht: Dürre Blätter oder faulende Pflanzenteile sollten entfernt werden. Die Wurzelballen sollten nicht zu nass sein, aber auch nicht ganz austrocknen. Und wer nebem dem „Winter-Garten“ auch noch einen echten Wintergarten oder ein Kleingewächshaus hat, verfügt über zahlreiche zusätzliche Möglichkeiten!

Übrigens hat Karl Foerster auch zum furchtbaren Trend, Vorgärten komplett zu versiegeln und mit Schotter zu versehen, eine passende Aussage – als hätte er gewusst: „Die meisten Gärten sind Dokumente der Andachtslosigkeit, mit denen das Leben gelebt wird“, sagte er nämlich einmal.

Ansonsten gilt: Genießen Sie den winterlichen Garten und planen Sie jetzt die Veränderungen, die Sie im Frühjahr vornehmen wollen! Denn, um mit einem weiteren Zitat von Staudenpapst Karl Foerster zu enden, das passionierte Gärtner sicher gut nachvollziehen können: „Wer mit seinem Garten schon zufrieden ist, der verdient ihn nicht.“

Wer sich übrigens mit dem gärtnerischen Werk von Karl Foerster, dem faszinierenden Karl-Foerster-Garten in Potsdam oder auch dem Leben des bedeutenden Garten-Philosophs beschäftigen möchte: Seine Tochter Marianne, selbst eine legendäre Gärtnerin und Landschaftsarchitektin, hat ein sehr interessantes und äußerst lesenswertes Buch über ihren Vater geschrieben. Auch einen sehenswerten Film über den Staudenpapst gibt es.

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