Gerade im Hochsommer, wenn es anhaltend trocken und heiß ist, brauchen Gartenpflanzen viel Wasser. Wer von Mai bis September abends durch die Gemeinden geht, sieht vor allem Rasensprenger am Werk. Die verteilen das Wasser gleichmäßig an Rasen und Pflanzen. Ist das sinnvoll? Was kann man besser machen?

Im Frühjahr sattes Grün, das ohne einen Tropfen zusätzliches Wasser auskommt – und ab Mai würde im Garten ohne unsere Hilfe alles verdörren. Dann wird halt gegossen und bewässert: Was kann man da schon falsch machen? In der regenarmen Zeit einfach ordentlich Wasser auf die Pflanzen und fertig – oder? Bei dieser auf den ersten Blick sehr leichten Gartenarbeit gibt es allerdings mehr zu bedenken, als die meisten Hobbygärtner glauben. Aber der Reihe nach.

Welches Wasser ist überhaupt geeignet?

Regenwasser eines Ablaufs wird zur Bewässerung in eine Regentonne geleitet

Zunächst stellt sich natürlich die Frage: Welches Wasser ist am besten für die Pflanzen? Tatsächlich ist Regenwasser ideal geeignet zur Bewässerung des Gartens. Wer nun aber nach einem Regenschauer aufs Gießen verzichtet, liegt oft falsch. Denn die meisten Sommerregen sind nicht sehr ausgiebig, die Regenmenge reicht also zum durchdringenden Bewässern nicht aus. Leitungswasser ist ziemlich kalkhaltig, das mögen viele Pflanzen nicht so sehr. Und dann wird Wasser immer teurer – bei einem großen Garten fällt das schon ordentlich ins Gewicht. Bei Mehrfamilienhäusern ist da manchmal der Ärger schon vorprogrammiert. Vor allem dann, wenn keine getrennten Zähler für das Gartenwasser existieren und die Abwassergebühren noch mitberechnet werden.

Also besser Regenwasser. Bei größeren Gärten lohnt sich der Aufwand, unterirdische Zisternen anzuschaffen. Für die Aufnahmekapazität von rund zweitausend Liter Wasser muss man mit Ausgaben um die dreihundert Euro rechnen. Die lohnen sich aber tatsächlich. Vorausgesetzt natürlich, es regnet gelegentlich. Denn als Faustregel gilt: Bei einem Garten von rund 700 Quadratmetern fallen jährlich Wasserkosten von rund tausend Euro an. Und das ist nun wirklich kein Bagatellbetrag mehr. Übrigens lässt sich über eine Zisterne auch Brauchwasser für die Toilette holen. So wird Trinkwasser gespart, außerdem fallen weniger Abwassergebühren an.

„Wann soll ich gießen?“

Abends schön nass? Für Schnecken ideal

Die meisten Menschen bewässern ihren Garten abends. Das hat oft ganz pragmatische Gründe: Nach der Arbeit ist Zeit dafür. Aber es gibt noch einen Grund: Wenn die brütende Tageshitze vorbei ist, verdunstet das Wasser nicht mehr so schnell. Das Problem: Ist der Garten nachts feucht, fühlen sich Schnecken sehr wohl, die sich als nachaktive Tiere dann wesentlich besser fortbewegen können als in einem trockenen Garten. Doch nicht nur Schnecken mögen die Feuchtigkeit.

Auch manchen Pilzen, etwa dem „echten Mehltau“, reicht eine Taufeuchte an den Blättern aus, um sie zu befallen. Durch abendliches Gießen, besonders von oben mit dem Rasensprenger, werden Pilzkrankheiten und Schnecken also stark gefördert. Der frühe Morgen ist also der wesentlich bessere Zeitpunkt für die Wassergabe im Garten.

… und wie wird der Garten am besten bewässert?

So lieber nicht: Die „Dusche von oben“ fördert Pilzbefall

Ob mit der Gießkanne, mit dem Wasserschlauch oder mit einer automatischen Bewässerung: Außer beim Rasen sollte nur der Wurzelraum um die Kulturpflanzen gegossen werden. Die Pflanzen selbst benötigen keine zusätzliche Dusche von oben, da dies wiederum Pilzkrankheiten fördert. Mit anderen Worten: Klassische Rasensprenger sind zwar praktisch, aber eigentlich gar nicht so gut. Im Umkehrschluss bedeutet das natürlich mehr Aufwand – und mehr Arbeit im Garten.

Wie oft? Und wie viel Wasser?

Ein häufiges Problem in unseren Gärten ist, dass zu oft gegossen wird – aber mit zu geringen Wassermengen. Die Folge sind äußerst schlecht für den Garten und seine Pflanzen. Denn bei zu wenig Feuchtigkeit bleiben die Pflanzen mit ihren Wurzeln dicht unter der Oberfläche. Hier werden sie täglich mit Wasser versorgt, hier fühlen sie sich wohl. Nur: Wenn dann mal das Wasser ausbleibt, weil die Hitze zu groß wird und die Hausherren über ein Wochenende wegfahren, wird es schnell eng.

Das gilt übrigens auch für den Rasen: Man sollte den Garten gar nicht jeden Tag gießen, sondern besser nur alle paar Tage wässern. Dann aber richtig und durchdringend, damit das Wasser auch wirklich in tiefere Schichten vordringt. Je nach Bodenart sollten dies bis zu zwanzig Liter pro Quadratmeter sein.

Das ist viel Wasser, aber so wird für die Pflanzen ein Anreiz geschaffen, tiefer zu wurzeln. Der Vorteil: So bekommt man stabilere und gesündere Pflanzen, der Wasserverbrauch sinkt im Schnitt. Man kann auch nach dem Gießen mit dem Spaten in den Boden stechen – und nachschauen, wie weit das Wasser eingedrungen ist.

Wer braucht was?

Tatsächlich brauchen unterschiedliche Pflanzen auch unterschiedliche Mengen an Wasser. Dabei sollte man am besten schon bei der Gartengestaltung denken. Pflanzen, die auf sandigen Böden stehen, brauchen generell öfter Wasser als jene auf lehmigen Böden. Der Grund ist klar: Sandige Böden speichern das Wasser schlechter. Bäume und Sträucher wurzeln meist so tief, dass sie sich selbst gut mit Wasser versorgen können. In den ersten zwei bis drei Jahren nach der Pflanzung sollten sie aber ausreichend mit Wasser versorgt werden. Bei Staudenpflanzungen ist darauf zu achten, möglichst trockenheitsverträgliche Arten zu verwenden. Das hält den Gießaufwand gering.

Rasen benötigt sehr viel Wasser: Gewöhnliche Rasengräser bestehen zu fast neunzig Prozent aus Wasser und sind besonders bedürftig – auch weil sie in großen Mengen auftauchen, wenn der Rasen schön dicht, grün und saftig sein soll. Das kurbelt den Wasserverbrauch also an. Am besten gießt man aber erst dann, wenn Fußabdrücke längere Zeit zu sehen sind. Richtet sich der Rasen nicht mehr auf, wird gewässert. Dann aber durchdringend!

Besonders durstig: Rasen

Wasserverschwender Rasen

Eine sehr pflegeleichte Alternative für wenig genutzte Flächen ist der Kräuterrasen. Im Gemüsegarten dagegen wird je nach Kultur viel Wasser benötigt. Aber auch hier gilt, die Pflanzen möglichst dazu zu bringen, tief zu wurzeln. So kann man beispielsweise Tomaten immer erst dann gießen, wenn sie morgens bereits ihre Blätter einrollen. An geeigneten Standorten wurzeln Tomaten so tief, dass sie sich nach einiger Zeit sogar selbst versorgen können.

Übrigens lässt sich auch Wasser sparen: Wenn der Boden mit Mulchschichten aus Grasschnitt und Laubhäcksel bedeckt ist oder immer wieder mit der Hacke bearbeitet wird, genügt ein wesentlich geringere Wassermenge. Das alles gilt natürlich nicht für Kübelpflanzen. Die benötigen je nach Standort und Wetterlage teilweise bis zu zweimal am Tag Wasser.

… und was machen die Nachbarn?

Und was ist im Urlaub? Da taucht die Frage auf: „Kann ich meinen Nachbarn zumuten, diese ganzen Regeln auch zu bedenken?“ Wenn mal zwei Wochen nicht alles korrekt gemacht wird, ist das nicht schlimm. Wichtig ist dann nur, dass die Pflanzen ausreichend Wasser bekommen. Ein Tipp: Schicken Sie Ihren Nachbarn doch einfach einen Link zu diesem Artikel! Oder versorgen Sie Ihre Nachbarn mit allgemeinen Tipps!

Zum Schluss stellt sich noch eine andere Frage: Dürfen wir überhaupt ohne schlechtes Gewissen so viel Wasser verbrauchen? Die Antwort ist einfach: ja. Auch wenn es immer wieder anderslautende Meldungen gibt: Im regenreichen Deutschland gibt es abgesehen von der Kostenfrage kaum einen triftigen Grund, Wasser zu sparen – außer Warmwasser natürlich. Manchmal werden die Abwassersysteme sogar mit Frischwasser gespült, weil sie auf größere Mengen ausgelegt sind. Allerdings: Beim Verbrauch von Produkten sollten wir schon darauf achten, wie viel Wasser für die Herstellung benötigt wird. Etwa beim Kaffee- oder Teeanbau, bei Baumwolle oder bei Stahl.

Aber das hat mit unserem Garten gar nichts zu tun. Wie gesagt: Im Idealfall verwendet man sowieso Regenwasser. Und wenn Kinder im Garten spielen, sollten die Regentonnen unbedingt sicher abgedeckt sein.

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