Gefördert: Solare Batteriespeicher

Im Zusammenhang mit der Energiewende setzt auch Baden-Württemberg immer stärker auf Solarenergie. Seit dem Frühjahr fördert das Land mit einem speziellen Programm solare Batteriespeicher. Die Nachfrage ist groß, jetzt wurden die Fördermittel sogar aufgestockt. Bis zu 400 Euro gibt es pro Kilowattstunde.

Unabhängig durch Sonnenenergie

„Netzdienliche Photovoltaik-Batteriespeicher“ heißt das Förderprogramm, mit dem das Land den Bau von zusätzlichen Photovoltaikanlagen attraktiver machen möchte. Ziel ist es, die Belastung der Verteilnetze zu senken und so den Verbrauch fossiler Energieträger zu reduzieren. Damit reagiert die Landesregierung auch auf die große Nachfrage von Wohneigentümern.

Das Problem: Nicht immer wird Strom in dem Moment gebraucht, wenn die Sonne scheint und so die Photovoltaik-Anlage ankurbelt. Um nicht nur vom Stromnetz, sondern auch von der Sonne einigermaßen unabhängig zu sein, muss die Sonnenenergie ohne größere Verluste zwischengelagert werden. Das geht mit einem Batteriespeicher.

Auf diese Weise lässt sich der Eigenverbrauch von Solarenergie leicht verdoppeln. Der Strombezug von den klassischen Energieversorgern kann also um weit mehr als die Hälfte sinken, im Idealfall sogar um bis zu zwei Drittel. Diese Unabhängigkeit von steigenden Strompreisen ist für Wohneigentümer also erstrebenswert.

Förderung: Wichtig für die Energiewende

Die Förderung der Batteriespeicher ist im Zusammenhang der Energiewende somit notwendig und lobenswert. Gefördert wird – so steht es in den Unterlagen – „die Investition in einen stationären, netzdienlichen Batteriespeicher in Verbindung mit einer neu zu errichtenden, an das Verteilnetz angeschlossenen Photovoltaik-Anlage“. Seit dem 1. März 2018 kann die Förderung beantragt werden. Finanzielle Unterstützung für Wohneigentümer gibt es beim „Heimspeicher“ einer Anlage mit einer Leistung von bis zu 30 Kilowatt peak (kWp). Auch Gewerbespeicher können übrigens gefördert werden, dann aber ab einer Leistung von 30 kWp.

Eine kleine Erklärung zur Einheit kann nicht schaden: „Kilowatt peak“ steht für die Leistung einer Photovoltaikanlage „unter genormten Bedingungen“. In der Praxis ist diese sogenannte Nennleistung höher als die tatsächliche Leistung. Der Grund: Wetter- und Betriebsbedingungen weichen meist von der Norm ab, einen absoluten Wert gibt „Kilowatt peak“ also nicht an. Trotzdem: Bei der Kaufentscheidung einer Solaranlage ist der kWp-Wert zumindest eine aussagekräftige Größe. Und bei der Förderung der Batteriespeicher setzt das Land auf die Einheit.

„mindestens fünf Jahre zweckentsprechend“

Die Anzahl der förderfähigen Batteriespeicher ist pro Anlage auf ein System begrenzt. Mit der Förderung ist auch eine gewisse Laufzeit verbunden: Nur wer seine stationären Batteriespeichersysteme „mindestens fünf Jahre zweckentsprechend“ betreibt, wie es heißt, kann Zuschüsse erhalten. Natürlich gilt der Zuschuss nur für Speicher und Anlagen, die sich in Baden-Württemberg befinden. Und zwar – wer hätte es gedacht: beide.

„Sonne ist unverzichtbar für Energiewende und Klimaschutz!“
Ministerpräsident Winfried Kretschmann

Dass bei der Förderung auf die Einhaltung der Landesgrenzen geachtet wird, ist verständlich. Denn innerhalb der deutschen Bundesländer hat sich Baden-Württemberg längst eine exklusive Position bei der Sonnennutzung erarbeitet. Ob in der Automobilindustrie oder in der Bauwirtschaft: Ministerpräsident Winfried Kretschmann setzt auf die Sonne. „Wir sind uns einig,“ sagt er, „dass die Sonne in Baden-Württemberg eine der wichtigsten erneuerbaren Energiequellen darstellt und dass wir alles tun müssen, um Solarenergie noch stärker für die Erzeugung von Strom und Wärme zu nutzen.“

Baden-Württemberg mit Solaroffensive

Die Äußerung fiel im Zusammenhang mit der Solaroffensive für Energiewende und Klimaschutz, die im Frühjahr 2018 von der Landesregierung ausgegeben wurde. So will das Land den Ausbau von Photovoltaik und Solarthermie in Schwung bringen. Mit im Programm ist viel Öffentlichkeitsarbeit.

Franz Untersteller (Foto: © Land Baden-Württemberg)

„Höchste Zeit, den Ausbau der Sonnenenergie wiederzubeleben!“
Minister Franz Untersteller

„Ziel der Initiative ist es,“ wie Landesumweltminister Franz Untersteller (Bündnis 90/Die Grünen) erläuterte, „auf breiter Basis zu informieren und zu beraten, für die Solarenergie zu werben und Investitionen in neue Anlagen anzureizen“. Von diesen Investitionen sollen nun vor allem Wohneigentümer profitieren. In den letzten Jahren, so Untersteller weiter, sei der Ausbau der Solarenergie im Land  aus unterschiedlichen Gründen eingebrochen. Franz Untersteller: „Es ist höchste Zeit, den Ausbau der Sonnenenergie wiederzubeleben!“

Solaranlagen: Kosten gesunken

Immerhin: Die Kosten für Solaranlagen sind in den letzten Jahren ordentlich gesunken. Für einen Kilowatt peak mussten im Jahr 2006 noch rund 5.000 Euro eingeplant werden. Heute gibt es den „kWp“ bereits für rund 1.500 Euro – inklusive Montage. Dafür gibt es mehrere Gründe: Vor etwa zehn, zwölf Jahren war der gesellschaftliche und politische Druck auf die Hersteller noch nicht so groß, einigermaßen günstige Anlagen anzubieten. Dann haben sich die Fertigungskapazitäten verbessert – und es gibt mehr Konkurrenz. Auch der sogenannte Skaleneffekt kommt Verbrauchern und Wohneigentümern zugute: Die Produktion größerer Mengen ist besser planbar, so vergünstigt sich der Einzelpreis automatisch.

Förderprogramme zur Solaroffensive (Standbild aus dem Kampagnen-Film)

Der Landesregierung kommen diese Punkte allesamt entgegen. „Gesunkene Kosten für Solaranlagen machen Sonnenstrom weiterhin wirtschaftlich attraktiv“, heißt es in einer Verlautbarung zur Solaroffensive.

Allerdings: Bei der Förderung der Batteriespeicher wird die Investition in die eigentliche Anlagen gar nicht berücksichtigt. „Die Förderung wird pro Batteriespeicher in Euro je Kilowattstunde (kWh) nutzbarer Speicherkapazität des Batteriespeichers als Investitionszuschuss gewährt“, heißt es aus dem Ministerium. Und: Sie ist „auf maximal 30 Prozent der Nettoinvestitionskosten des Batteriespeichersystems begrenzt“.

Unbedingt noch 2018 beantragen!

Schon in den ersten drei Monaten des Programms wurden mehr als 400 Anträge bewilligt. Minister Untersteller zeigt sich von der starken Resonanz überrascht: „Ich war stets überzeugt, dass wir mit unserer Initiative den richtigen Weg eingeschlagen haben“, sagt er. Allerdings: „Die aktuellen Antragszahlen übertreffen meine Erwartungen jedoch bei weitem.“ Das Gesamtvolumen liegt bereits weit über einer Million Euro. Angelegt ist das Förderprogramm für Solarbatterien auf rund zwei Millionen. Das gibt es konkret an Förderungsgeldern:

Bei einer Anlage mit bis 30 kWp:

• 2018: 300 Euro/kWh, minimale Förderhöhe: 600 Euro, maximale Förderhöhe: 7.500 Euro
• 2019: 200 Euro/kWh, minimale Förderhöhe: 400 Euro, maximale Förderhöhe: 5.000 Euro

Bei einer Anlage mit mehr als 30 kWp:

• 2018: 400 Euro/kWh, minimale Förderhöhe: 7.500 Euro, maximale Förderhöhe: 60.000 Euro
• 2019: 300 Euro/kWh, minimale Förderhöhe: 5.000 Euro, maximale Förderhöhe: 45.000 Euro

Die Förderung von Speichern großer PV-Anlagen mit mehr als 30 kWp Nennleistung ist dabei neu. Umweltminister Franz Untersteller. „Damit füllen wir eine Lücke in der Hoffnung, dass nicht nur Heimspeicher installiert werden, sondern neue Stromerzeugungs- und Speicherkapazitäten in größerem Maßstab geschaffen werden.“ An anderer Stelle hatte Untersteller bereits erklärt, was er damit meint: Wichtig sei vor allem, dass auf Dächern von Industrieanlagen, Supermärkten oder Baumärkten wieder verstärkt Solaranlagen installiert würden. Momentan liefert Solarenergie rund Prozent des erzeugten Stroms im Land.

Förderung: Das sind die Anforderungen

Solaranlage auf dem Dach: Freiamt Mutach (Haas)

„Die Förderung kann nur gewährt werden, wenn das Verhältnis von Nennleistung der PV-Anlage zur nutzbaren Speicherkapazität mindestens 1,2 kWp je 1 kWh beträgt.“ So steht es in der Beschreibung, die das Umweltministerium veröffentlicht hat. Dort befinden sich auch detaillierte Angaben zu weiteren Voraussetzungen für die Förderung. Mit der Abwicklung der Förderung wurde die Landeskreditbank Baden-Württemberg – Förderbank (L-Bank) beauftragt.

Dort muss der ausgefüllte und unterschriebene Antrag mit allen erforderlichen Anlagen auch schriftlich abgegeben werden. Die Adresse:  L-Bank, Bereich Finanzhilfen, Schlossplatz 10, 76113 Karlsruhe. Die L-Bank nimmt die Unterlagen auch elektronisch an: per Mail an pv-speicher@l-bank.de. Dazu lässt sich einfach das Online-Antragsformular verwenden.

Auf der Homepage des Umweltministeriums gibt es weitere Infos, etwa zu den Modalitäten der Auszahlung. Auch die Möglichkeiten, in einer Art Komibantion zusätzlich von KfW-Förderungen des Bundes zu profitieren, werden dort beschrieben.

Verbraucherzentrale bietet Eignungs-Check an

Für Wohneigentümer stellt sich nun die Frage: Wann und unter welchen Umständen lohnt sich eine Solaranlage überhaupt? Genau darüber informiert die Energieberatung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg – ebenfalls mit Fördermitteln. Mit dem eigens eingerichteten „Eignungs-Check Solar“ erhalten Wohneigentümer für eine geringe Gebühr von vierzig Euro belastbare Informationen darüber, ob sich der Einbau lohnt.

Nicht immer ist eine Anlage nämlich sinnvoll. Energieexpertin Meike Militz von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: „Je nach Dachtyp oder der Neigung kann es sein, dass es überhaupt nicht passt.“ Und bei anstehenden Renovierungen sollte man sichebenfalls genau überlegen, wann man investiert. Hilfreich ist natürlich auch die Energieberatung des Verbands Wohneigentum Baden-Württemberg.

Solaranlage: Wann lohnt sich die Investition?

… und welche Kosten fallen überhaupt an?

Wer sich für die Anschaffung einer Photovoltaik-Anlage mit solarem Batteriespeicher entscheidet, muss trotz gesunkener Kosten von einer ordentlichen Investition ausgehen. Der Richtwert liegt momentan um tausend Euro für die Kilowattstunde an Speicherkapazität.

Allerdings: Auch ohne die Förderung durch das Programm im Zusammenhang mit der baden-württembergischen Solaroffensive sind die Speicher meistens wirtschaftlich. Dass sie im Sinne der Ernergiewende grundsätzlich sinnvoll sind, steht sowieso außer Frage.