Wer haftet iegentlich, wenn Wurzeln in Abwasserkanal einwachsen? Spätestens, wenn Schäden am Abwasserkanal festgestellt werden und die Dichtheit wieder hergestellt werden muss, stellt sich die Frage: Wer haftet für den Schaden, wenn der Baum einem Dritten gehört?

Wurzeln über Grundstücksgrenze

Im Grundsatz gilt: Wenn Wurzeln über die Grundstücksgrenze wachsen und es zu einer Beeinträchtigung („Störung“) kommt, haftet dafür der Baumbesitzer. In der Regel muss er die Kosten für die Beseitigung der Störung tragen. In der Rechtsprechung ist jedoch strittig, ob die Versicherung des Eigentümers bei Wurzelschäden zahlen muss – auch, oder gerade, weil es sich dabei nicht um fahrlässiges Verschulden handelt.

Mitschuld des Nachbarn

Eine Mitschuld des Geschädigten kann unter Umständen auch vorliegen. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte sich mit dieser Frage zu befassen. Konkret ging es in dem Fall darum, dass es durch den Wurzeleinwuchs auch zu einer Verstopfung des öffentlichen Kanals kam, was im verhandelten Fall dazu führte, dass der Keller eines Hauseigentümers volllief.

Eigentümer des Baumes haftet

Der BGH hat festgestellt: es haftet hierfür grundsätzlich der Eigentümer des Baumes. Jedoch sei der Eigentümer eines Abwasserkanals (hier eine Kommune) verpflichtet, regelmäßig zu kontrollieren, dass Wurzeln nicht in das Abwassersystem eindringen. Wann und wie die Untersuchung vorgenommen werden müsse, hänge vom Einzelfall ab. Da private Eigentümer grundsätzlich kein Zugang zu den öffentlichen Abwasserkanälen haben, würden diese aber als Verantwortliche ausscheiden. Im Ergebnis verurteilte der BGH die Gemeinde, da diese bei den regelmäßigen Kanalprüfungen den Wurzeleinwuchs hätte erkennen müssen. BGH vom 24.8.2017 – Az. III ZR 574/16