Hausnummer: Sichtbarkeit rettet Leben!

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Im Notfall können wenige Minuten über Leben oder Tod entscheiden: Wenn die Feuerwehr oder der Rettungsdienst die Hausnummer nicht auf Anhieb findet, kann es schnell zu spät sein. Dass die Helfer auf eine gut sichtbare Hausnummer angewiesen sind, versteht sich eigentlich von selbst. Dennoch halten sich viele Wohneigentümer immer noch nicht an die einfachsten Regeln.

Der Taxifahrer schimpft. Die Straße hat er gefunden, aber wo bitteschön ist die Hausnummer? Schließlich betätigt er das Aufblendlicht – und findet sein Ziel. Diese zwei, drei zusätzliche Minuten, dieses überflüssige Einbiegen in die Seitenstraße – das muss der Fahrgast eben bezahlen.

Bei Polizei, Notarzt oder Löschfahrzeug sieht’s gleich anders aus. Denn bei einem Notfall spielt Zeit eine ganz entscheidende Rolle. Und da geht es nicht um eine Handvoll Cent.

Rettungsdienst im Einsatz: jede Sekunde zählt

Die gute Nachricht lautet: In den letzten Jahren konnte die Rettungskette signifikant verkürzt werden. So haben Navigationssysteme in den Fahrzeugen dafür gesorgt, dass die Anfahrtszeiten der Rettungsdienste reduziert wurden. Dazu kommt, dass etwa bei Herzinfarkten telemedizinische Dienste optimiert wurden.

Verkürzte Rettungskette

Bei der schnellen Versorgung gehört das Thema „E-Health“ längst zum Alltag – die Kommunikation aus dem Rettungswagen heraus hat enorme  Fortschritte gemacht. Und bei allen technischen Hilfsmitteln, die vor allem Rettungsdiensten heute zur Verfügung stehen, ist ein Umstand kaum zu akzeptieren: Immer noch suchen Retter oft minutenlang nach der richtigen Adresse. Denn sie sind darauf angewiesen, dass die Hausnummer deutlich sichtbar angebracht ist.

An prominenter Stelle – aber zu niedrig

Auch bei der Rettungskette gilt die alte Regel: Eine Kette ist so stark wie ihr schwächstes Glied. Und da es sich bei den Ärzten, Feuwehrleuten und Krankentransportern praktisch immer um Ortsfremde handelt, sind die auf klare Signale angewiesen. Das schwächste Glied in dieser Rettungskette ist also oft die Sichtbarkeit der Hausnummer.

Reichen die Straßenschilder?

In vielen Gemeinden beginnt das Problem bereits mit den Straßenschildern. Die Einheimischen merken das oft nicht, weil sie sich schließlich auskennen. Aber wenn sich Besuch über schlechte Beschilderung beschwert, sollte man sich mit der Gemeinde in Verbindung setzen. Für die eigene Hausnummer allerdings ist jeder Wohneigentümer selbst verantwortlich. Das ist schon fast alles, was wirklich bundesweit einheitlich ist.

Hausnummern: Jede Gemeinde mit eigenen Regeln

Welche Regeln die Gemeinde erlässt, bleibt ihr nämlich zum guten Teil selbst überlassen. Das Baugesetzbuch trifft in seinem Paragraph 126 nur eine sehr vage Aussage: „Der Eigentümer hat sein Grundstück mit der von der Gemeinde festgesetzten Nummer zu versehen.“ Was darunter zu verstehen ist, liegt also komplett im Ermessen der Kommunen. Manchmal versuchen sich Länder oder Städte selbst zu helfen. So hat Berlin eine eigene „Nummerierungsverordnung“ – und Nordrhein-Westfalen behilft sich mit einem „Ordnungsbehördengesetz“.

In vielen Gemeinden mit einer Mindesthöhe von zehn Zentimetern

Zurück nach Baden-Württemberg. Hier hat beispielsweise Karlsruhe schon 1974 eine eigene „Satzung über die Anbringung und Gestaltung von Hausnummern“ erlassen. Danach müssen noch heute „Hausnummernschilder […] aus Metall, Glas, Kunststoff oder anderem wetterbeständigen Material angefertigt sein.“ Und: „Statt Schilder können auch nur Nummern verwendet werden. Die Mindesthöhe der Schilder bzw. Nummern beträgt 10 cm.“ Auch die Instandhaltung kommt da zur Sprache – und dass im Fall der Unterlassung böse Dinge wie Verwaltungsvollstreckung und Zwangsgelder möglich sind.

… und nachts mit Licht?

Von einer Beleuchtungspflicht von Hausnummern, die in den letzten Jahren immer mehr Gemeinden anstreben, ist in der Fächerstadt allerdings keine Rede. Oft wird sie sogar bundesweit gefordert – aber das lässt sich nicht durchsetzen. Eine hohe Sichtbarkeit auch bei Nacht, die lässt sich fordern. So etwa in Berlin, Brandenburg oder Hamburg. In den drei genannten Bundesländern wurde versucht, eine Zwangsbeleuchtung durchzuführen. Aber das scheiterte am Bundesrecht, weil der geforderte Aufwand einzelnen Wohneigentümern nicht zumutbar ist.

Ritual für Wohneigentümer

Gute Kontraste, dennoch schlecht lesbar

Das ist auch nicht nötig. Die Hausnummer muss nur klar und eindeutig sein – und somit problemlos zu erkennen. Sie muss auch schnörkellos genug sein – also keine künstlerisch hochwertige Grafikkunst, bei der man sich Zeit zum Entziffern nehmen muss. Mit anderen Worten: Zu abstrakt oder rein dekorativ sollte die Nummerierung des Wohneigentums nicht sein.

Für viele Wohneigentümer gehört die Auswahl der passenden Hausnummer zum Einzugsritual. Wer die Hausnummer anbringt, macht deutlich: Wir sind fertig! Wir haben es geschafft! Da ist es natürlich kein Wunder, dass viele eine kunstvolle Lösung suchen, die zur eigenen Persönlichkeit passt.

Bei Dunkelheit sichtbar

Das muss übrigens gar nicht im Widerspruch zur guten Sichtbarkeit stehen. Aber die Regel muss lauten: Sichtbarkeit heißt Sicherheit – und Sicherheit geht vor.

Gute Lesbarkeit – sogar mit Straßennamen

Bei neuen Hausnummern ist die Wahl also einfach. Aber man sollte auch gleich darauf achten, dass die Spuren der Zeit nicht allzu deutlich an der Nummer haften bleiben. Denn Hausnummern dürfen nicht verwittert sein! Sonst droht nämlich ein Bußgeld, das je nach Gemeinde bis zu 250 Euro betragen kann.

Nicht verdreckt, nicht verdeckt

Das gilt ebenso für verdreckte Schilder – und für verdeckte. Wenn etwa die Nummer wegen Überhangs aus dem eigenen Garten oder einer zu hoch gewachsenen Hecke nicht zu erkennen ist, muss der Wohneigentümer handeln. Und natürlich gilt gerade in der dunkleren Jahreszeit: Hausnummern dürfen im Dunkeln nicht einfach verschwinden!

Inzwischen sind viele Hausnummern im Handel mit Solarleuchten versehen, die nachts ohne Zuführung von Energie leuchten. Wem das nicht gefällt oder wem es zu viel Aufwand ist, der sollte zumindest auf den Kontrast zwischen Ziffern und Hintergrund achten.

Auch die Höhe entscheidet

Verschnörkelt – aber einigermaßen lesbar

Neben der Lesbarkeit der – natürlich arabischen – Ziffern ist auch die Stelle der Anbringung von Bedeutung. Bei der Höhe sollte beachtet werden: Auch wenn ein Lieferwagen vor dem Haus parkt, ist die Hausnummer von einem vorbeifahrenden Auto aus gut zu sehen. Die ideale Höhe liegt also um die drei Meter – nicht höher. Und wer an der Ecke wohnt, darf gern an zwei Seiten eine Hausnummer anbringen. Der Rettungsdienst wird es im Notfall dankbar zur Kenntnis nehmen.

Hersteller wissen Details

Wer sich nicht ganz sicher ist, was die Gemeinde verordnet, fragt einfach dort nach. Meistens allerdings kann man sich den Gang zum Rathaus sparen. Denn die Händler und Hersteller von Hausnummern wissen in aller Regel sogar besser Bescheid als die Verantwortlichen der Kommune. Aus einem einfachen Grund: Wer Tag für Tag mit dem Thema intensiv zu tun hat, weiß natürlich lückenlos Bescheid.

Wohneigentümer sollten allerdings auch aus einem anderen Grund aufpassen: Wenn zum Beispiel die Feuerwehr aufgrund schlecht erkennbarer Hausnummern verspäter bei einem Brand ankommt, droht richtig Ärger. Wie genau das juristisch aussieht – das klären Mitglieder im Verband Wohneigentum Baden-Württemberg am besten in einer professionellen Rechtsberatung.

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