Kinder bei der Gartenarbeit

Landeswettbewerb fördert das Beste so mancher Siedlung ans Licht

Es ist vollbracht: Die Jury hat alle Siedlungen genau unter die Lupe genommen, die sich am diesjährigen Landeswettbewerb unter der Überschrift „Wohneigentümer – heute für morgen“ des Verbands Wohneigentum Baden-Württemberg beteiligen. Drei Tage lang war die Expertenkommission unterwegs, um sich ein Bild davon zu machen, wie zukunftsfähig das Wohnumfeld der teilnehmenden Vereine gestaltet ist. Der Kommission gehören an Ernst Granzow vom Bezirk Schwarzwald-Baar-Heuberg, Axel Ackermann, ehemaliger Landesgartenfachberater und ehemaliger Landesgeschäftsführer und Ekkehard Bös, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für die Bewertung von bebauten und unbebauten Grundstücken sowie Kooperationspartner des Landesverbandes Baden-Württemberg. Nun hat die Jury die Qual der Wahl: Wer qualifiziert sich für den Bundeswettbewerb 2020? So haben die Juroren die Siedlungen bei ihrem Besuch erlebt:

Mannheim

Der Startschuss fiel in Mannheim bei der Siedlergemeinschaft BASF Mannheim Rheinau Süd. Gemeinderäte, die Leiter von Grundschule und Kindergarten sowie Vertreter der Presse hatten sich im Siedlerheim eingefunden, und Gemeinschaftsleiter Hans Held begrüßte sie gemeinsam mit seinem Stellvertreter Jürgen Haller und weiteren Vorstandsmitgliedern, einigen Wohneigentümern sowie Ehrenmitglied Wolfgang Lehmpfuhl.

Teilweise schon barrierefrei

Zunächst stellte Held mittels einer Powerpoint-Präsentation die Gemeinschaft vor, wobei es etliche spannende Fakten zu erzählen gab: Die Siedlung wurde gegründet ab 1933 und zählt heute  291 Mitgliedsfamilien. Sie liegt am Rande von Mannheim und hat den Charakter einer Kleinsiedlung. Zehn Prozent machen dabei Einfamilienhäuser aus, 55 Prozent sind Doppelhaushälften und 25 Prozent Reihenhäuser.  Der Rest sind Eigentumswohnungen. Teilweise sind die Häuser und Wohnungen bereits barrierefrei umgebaut worden. Die Vorgärten und Gemüsegärten sind ein fester Bestandteil der Siedlung, deren Heizungen über Fernwärme funktionieren. Einkaufsmöglichkeiten, Post, Bank und Ärzte sind gut zu erreichen

Etliche Feste sorgen für gutes Miteinander

Mit großem Engagement kümmern sich die Mitgliedsfamilien um das soziale Umfeld am Ort und ein gutes Miteinander. Veranstaltungen wie das Siedlerfest, der Weihnachtsmarkt zugunsten karitativen Organisationen, Faschingsveranstaltungen, Ausflüge Vorträge im Siedlerheim über Erbrecht, Einbruchschutz, Gartengestaltung und Pflege und vieles mehr gehören zum Standardprogramm. Darüber hinaus wird Seniorenessen zu günstigen Preisen im Siedlerheim angeboten.

Familien-Fackelumzug war ein Höhepunkt

Unter der Leitung der Frauengruppe finden regelmäßig Kaffeenachmittage im Siedlerheim statt. Basteln mit Jugendlichen, der Bau von Nisthilfen und andere Aktionen für Kinder und Jugendliche gehören zum wiederkehrenden Programm der Gemeinschaft. Ein Höhepunkt war in diesem Jahr ein Familien-Fackelumzug um den angrenzenden See mit rund 200 Personen.

Schulgarten wird mit betreut

Auch der Schulgarten in der Grundschule und im Kindergarten wird von den Mitgliedern der Gemeinschaft betreut. Familienausflüge und der Besuch der österreichischen Partnersiedlung sind ebenso Teil des Programms. Politische Aktivitäten vor Ort, wie etwa der nachdrückliche Einsatz für den Erhalt der Postdienste sowie gegen verkehrswidriges Parken in der Siedlung oder Unterstützung für den Erhalt des Schwimmbads gehören für die Mitglieder ebenso dazu. Mit Müllsammelaktionen helfen die Siedler außerdem dabei, die Umgebung sauber zu halten.

Rastatt

In Rastatt begrüßte Gemeinschaftsleiter Wolfgang Franzke mit Vorstands-und Gemeinschaftsmitgliedern Bürgermeister Raphael Knoth, einige Stadträte sowie den ehemaligen Bundesvorsitzenden des Verbands Wohneigentum Hans Rauch sowie Vertreter der örtlichen Presse.

Eigene Wasserbrunnen und Zisternen

Die Altsiedlung Rastatt-Münchfeld am Rande Rastatts ist zwischen 1934 und 1950 entstanden und beherbergt heute rund 300 Mitgliedsfamilien. 57 Einfamilienhäuser, 85 Doppelhaushälften und zehn Reihenhäuser gehören zur Siedlung. Eigene Wasserbrunnen und Zisternen sind überwiegend bei den Häusern zu finden. Einkaufsmöglichkeiten, Post und Banken, Kindergarten und Schule sind fußläufig zu erreichen. Die Vorgärten und Gemüsegärten sind gepflegt.

Reges Vereinsleben

Das Vereinsleben ist rege: Eine Frauengruppe, die regelmäßig etwas unternimmt und die offen ist für alle Mitglieder bereichert den Stadtteil. Das Siedlerfest beim Holzpavillon mitten in der Siedlung ist immer ein Höhepunkt des Jahres, wozu auch die Siedlerhexen, die nicht nur an Fastnacht aktiv, stets etwas beitragen.

Biotop und Streuobstwiese fordern viel Einsatz

Die Betreuung eines Biotopes und der Streuobstwiese erfordern viel Einsatz. Auch werden die Ruhebänke, die von den Wohneigentümern mit Hilfe der Stadtverwaltung aufgestellt wurden, unterhalten. Mit Kindern und Jugendlichen wurden in den Schulen und Kindergärten insgesamt rund 100 Nistkästen und Insektenhotels gebaut. Mit der Carl-Schurz Grundschule wird ein Naturerlebnistag veranstaltet.

Familienausflüge gehören dazu

Regelmäßig gibt es Familienausflüge. Für die Gartenarbeit und sonstige Tätigkeiten rund ums Eigenheim verleiht die Siedlergemeinschaft entsprechende Gerätschaften.

Gut besucht sind die Vorträge des Verbands über Themen wie Erbrecht oder Gartenarbeit, auch Schnittkurse werden angeboten. Eine Vogelauffangstation wird ebenfalls durch Mitglieder der Gemeinschaft unterstützt.

Freiamt-Ottoschwanden

Im Breisgau eröffnete die Jury den zweiten Tag ihrer Reise durch Baden-Württemberg. Die Gemeinschaft Freiamt Ottoschwanden in der Nähe von Emmendingen präsentierte sich mit Gemeinschaftsleiter Rudolf Köstel und einigen Mitgliedern.  Die meisten Eigentümer aus der charmanten ländlichen Siedlung arbeiten in den umliegenden Städten und Gemeinden. Die meisten Häuser in der Siedlung sind Einfamilienhäuser ab de Baujahr 1964.

Viele Mehrgenerationenhäuser

Fast jedes Haus wurde zu einem Mehrgenerationen Haus umgebaut. Es leben dort Großeltern, Eltern, Kindern, und Enkel zusammen. Viele der Wohnungen sind so umgebaut, dass jede Wohneinheit einen separaten Eingang hat. Photovoltaik- und Solaranlagen sind überall zu finden. Geheizt wird mit Öl, Gas, und Holz. Die Gärten sind gepflegt. Überall sind großzügige Nutzgärten vorhanden. Post- und Bankgeschäfte, sowie Einkäufe müssen auswärts erledigt werden.

Nachbarschaftshilfe wird großgeschrieben

Einen Spiel- und ein Bouleplatz haben die Wohneigentümer in Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung angelegt, er wird von den Mitgliedern gepflegt. Ausflüge, Gartenberatung und aktive Nachbarschaftshilfe, wie beispielsweise Einkäufe für ältere Mitglieder, sind Bestandteil des Vereinslebens.

Freiamt-Mußbach

In Freiamt-Mußbach begrüßte Gemeinschaftsleiter Heino Wolfsperger zusammen mit Vorstands- und Gemeinschaftsmitgliedern sowie dem Altvorstand und ehemaligen Mitglied des Landesvorstandes Edmund Haas die Gäste: Bürgermeisterstellvertreterin Margit Haas, Schulrektor Franz Viernickel und Karin Härer vom Kindergarten Spielwiese.

Siedlerheim wird zum Naturklassenzimmer

Die Gemeinschaft hat 76 Mitgliedfamilien und liegt im ländlichen Raum unweit von Emmendingen bei Freiburg. Die Gemeinschaft lebt ein aktives Vereinsleben. Es werden im eigenen Vereinsheim Seniorennachmittage mit Unterhaltung angeboten. Das alljährliche Siedlerfest mit Boulewettbewerb findet ebenfalls beim Vereinsheim statt. Vorträge aller Art vom Verband oder von anderen Anbietern werden von den Mitgliedern und anderen interessierten Bürgern ebenfalls genutzt. Familienausflüge und kleinere Veranstaltungen werden regelmäßig angeboten. Schulzentrum und der Kindergarten nutzen den Spielplatz, der von den Wohneigentümern in Zusammenarbeit mit der Gemeinde angelegt und unterhalten wird. Das Siedlerheim wird dabei zum Naturklassenzimmer – unterstützt von den Mitgliedern der Gemeinschaft wird den Kindern die Natur auf ganz praktische Weise gezeigt.

Auffahrrampen und Aufzüge wurden gebaut

Die Siedlungshäuser wurden im alten Teil ab 1950 und im neueren Teil ab 1964 gebaut. Die Siedlung besteht aus Einfamilien- und Doppelhäusern. Ein Teil davon wurde schon barrierefrei gestaltet. Ersichtlich ist dies schon von außen. Es wurden Auffahrrampen und Aufzüge für Rollstuhlfahrer angebaut. Innenräume wurde Behindertengerecht gestaltet. Photovoltaik und Solaranlagen sind auf vielen Dächern und Garagen zu finden.

Zahlreiche Nutzgärten zur Selbstversorgung

Die Gärten sind gepflegt und dienen zum großen Teil noch als Nutzgarten zur Selbstversorgung. Auch kleinere Blumenwiesen für Insekten und eine große Anzahl an Insektenhotels ließen sich bei den Häusern der Wohneigentümer finden. Der Verein pflegt ehrenamtlich die Gedenkstätte im Wald von Tennenbach, die an die rund 1.500 gefallenen Soldaten in den Befreiungskriegen 1813 bis 1815 erinnert.

Singen

Schlussendlich gelangte die Jury am dritten Tag nach Singen und besuchte die Gemeinschaft Verband Wohneigentum Siedlergemeinschaft Singen. Gemeinschaftsleiter Christian Siebold begrüßte einige Stadträte der Stadt Singen und Ehrenmitglied Rudolf Thoma sowie Pressereferent Helmut Gülpers.

Gebiet befindet sich im Umbruch

Die Begehung wurde auf zwei Abschnitte unterteilt: die Alt-Siedlung und der jüngere Teil im Eisvogel. Die Siedlung liegt am Stadtrand von Singen und wurde in den Jahren 1934 bis 1938 gegründet. In dem Begutachtungsgebiet leben 123 Mitglieder. Die Siedlung besteht aus einem großen Anteil von Einfamilien- und Doppelhäusern, aber auch Reihenhäuser sind zu finden. Das Gebiet befindet sich derzeit im Umbruch: Viele ältere Häuser werden verkauft und umgebaut. Der Anteil an ausländischen Mitbürgern, die auch gerne Mitglieder der Gemeinschaft werden möchten, wächst.

Gärten sind echte Filetstücke

Zu beklagen ist ein gewisser Leerstand von Häusern, wobei diesbezüglich aber mit der Stadtverwaltung über Möglichkeiten der Nutzung gesprochen wird. Ein weiterer Punkt bei den Gesprächen mit dem Baudezernenten ist die zunehmende Versiegelung von Einfahrten und Höfen. Deshalb will die Gemeinschaft gegensteuern. Die Vorgärten sind gepflegt und ansprechend. Die wirklichen Filetstücke sind allerdings die Gärten hinter den Häusern: Dort sind regelrechte Oasen der Ruhe und Erholung entstanden. Dort liegen der Gemüsegarten neben Blumenwiesen, kleinen Wasserspielen oder Plätzen für Kinder nebeneinander. Auch wird Nachbarschaft gelebt mit offenen Zäunen und Durchgängen zum Nachbargrundstück.

Mitglieder unterstützen einander

Auf Barrierefreiheit wird bei den Umbauten geachtet. Einkäufe für den täglichen Bedarf können im Nahbereich getätigt werden. Post, Banken und Ärzte sind erreichbar. Wo etwas nicht klappt, da hilft die Gemeinschaft gerne weiter. Soziale Hilfsdienste werden vermittelt, Sammelbestellungen wie Heizöl gehören ebenfalls zum Programm. Auch bei Boten und Amtsgängen greifen sich die Mitglieder gerne unter die Arme. Kleine Straßenfeste und Spielnachmittag finden regelmäßig statt.

Vielfältige Veranstaltungen im Siedlerheim

Im Siedlerheim finden einmal im Monat ein Seniorenessen und Kaffeenachmittage statt. Ein politischer Frühschoppen wird sonntags ebenfalls veranstaltet. Das Siedlerheim wird auch darüber hinaus für Veranstaltungen jeglicher Art genutzt. Lesungen von einheimischen Autoren, Unterhaltungsabende, Vorträge über Erbrecht, Gartengestaltung und Pflege, Einbruchschutz und andere interessante Themen werden regelmäßig veranstaltet. Bastelaktionen mit Jugendlichen und die Teilnahme am Kinderferienprogramm sind selbstverständlich.

Zusammenarbeit mit anderen Vereinen wird gepflegt

Aktionsbündnisse für Integration oder Tempo 30 in Wohngebieten sind in Hinblick auf ein noch besseres Wohnumfeld initiiert worden. Die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen bei  Veranstaltungen wie beispielsweise dem Markt der Möglichkeiten wird gerne praktiziert. Die Gemeinschaft bietet Ausleihgeräte wie Anhänger und kleine Gartengeräte.