Mit Kindern im Garten!

Das Paradies für Kinder – der eigene Garten. Ein Platz zum Spielen, Toben, Wühlen, Beobachten und der Phantasie freien Lauf lassen. Wenn der knorrige alte Obstbaum zum Piratenschiff, die Sträucherecke zum wilden Wald und die Sandgrube zur Schatzinsel werden, verwirklichen sich Kinderträume. Hier könnte man frei und ungestört spielen – könnte – wären da nicht auch noch die Erwachsenen: „Pass auf, dass du da nicht runter fällst“, „Vorsicht vor den Pflanzen, die sind giftig“, „Geht weg vom Gartenteich, das ist zu gefährlich“.

Gefahren einschätzen

Dass der Garten und natürlich auch der Aufenthalt in der Natur für die Entwicklung der Kinder äußerst wichtig ist, ist bekannt und unbestritten. Viele Ängste der Erwachsenen sind sicherlich berechtigt und das Spielen im Garten ist auch immer mit Gefahr verbunden. Wo aber liegen wirklich die Gefahrenquellen, welche Pflanzen dürfen denn noch in meinem Garten wachsen und ab wann ist ein Garten eigentlich kindgerecht? Dies sind alles Fragen, die sich junge Eltern oder auch Großeltern stellen, sobald das Kind den Garten für sich zu entdecken beginnt. Bei Gartenberatungen sind oftmals Sätze zu hören wie: „Bitte keine Giftpflanzen einplanen“, „Wir machen erstmal nur Rasen – wegen der Kinder“, bis hin zu „Bitte nichts was blüht, das lockt nur Wespen an“. Sicherlich ist oft die eigene Unwissenheit über Pflanzen und Tiere der Auslöser dieser Angst.

Gefahrenquellen im Garten

Gefahr Giftpflanzen

  • Besonders Kleinkinder sind hier gefährdet. Im Garten sollten sie deshalb unbedingt unter dauerhafter Beobachtung sein. Sie dürfen nicht in Reichweite giftiger Pflanzen gelangen.
  • Werden die Kinder älter, muss ihnen klar gemacht werden, vor dem Probieren von Früchten und Beeren immer erst Erwachsene zu fragen. Es ist wichtig, ihnen sowohl die essbaren als auch die giftigen Pflanzen zu zeigen. Ein giftpflanzenfreier Garten ist aus diesem Grund nicht empfehlenswert und eigentlich fast unmöglich. Außerhalb des eigenen Gartens gibt es genügend giftige Pflanzen, die dann umso interessanter sind.
  • An Spielbereichen und in Kindergärten sollte natürlich auf die giftigsten Pflanzen verzichtet werden. Besonders auf jene, die mit ihren Blüten oder Früchten eine besondere Anziehung auf Kinder haben wie Pfaffenhütchen, Goldregen, Eibe, Seidelbast, Fingerhut, Maiglöckchen…

 

Gefahr Wasser

Bei Wasser im Garten ist immer Vorsicht geboten. Schon flaches Wasser oder Wassertröge stellen für kleine Kinder eine ernste Gefahr dar.

  • Kinder nie ohne permanente Beaufsichtigung ans Wasser lassen!
  • Teiche sind durch Zäune oder Mauern vom öffentlichen Raum abzutrennen, Wasser zieht Kinder magisch an.
  • Nicht nur Teiche, sondern auch Regentonnen und offene Zisternendeckel sind eine große Gefahr, auch für ältere Kinder!

Offene Regentonnen stellen gerade für kleine Kinder eine erhebliche Gefahr dar. Wenn man die Tonne weiter nutzen möchte, muss sie unbedingt kindersicher abgedeckt werden.

 

 

Mauern, Bäume, Treppenaufgänge

Lose verlegtes Dekomaterial bietet auch für Tiere einen geeigneten Lebensraum. Für kleine Kinder sind es allerdings erhebliche Gefahrenquellen.

  • Für Kleinkinder müssen an allen Gefahrenstellen, wie erhöhte Terrassen, Mauern, Treppen, etc. Absturzsicherungen vorhanden sein.
  • Klettern in Bäumen und an Klettergerüsten macht Spaß und fördert die Beweglichkeit und Koordination. Allerdings sollten man im Falle eines Sturzes weich auf dem Rasen oder der Erde aufkommen. Gegenstände wie Gartenwerkzeuge oder Zäune sind hier absolut fehl am Platz.

Lose verlegte Materialien sind dekorativ und bieten Rückzugsräume für Insekten. Allerdings werden sie für Kleinkinder zur Gefahrenquelle.

Pflanzenschutzmittel, Dünger, etc.

  • Jeglicher Gartenbedarf der für Kinder gefährlich werden könnte ist genauso wie Medikamente und Putzmittel für Kinder unerreichbar aufzubewahren.

Die richtige Balance finden

Mit dem Garten steht für Kinder ein ausgezeichneter Spiel- und Lernort zur Verfügung. Kinder lernen durch Erfahrungen, nicht durch Verbote. Allerdings können sie Gefahren oft nicht einschätzen oder erkennen. Deshalb liegt es an den Erwachsenen, die richtige Mischung aus Zulassen und Verbieten zu finden, was natürlich alles andere als einfach ist. Vielleicht hilft es ja, sich selbst öfter in die Rolle und die Perspektive des Kindes zu begeben und mit auf das „Piratenschiff“  zu klettern, oder sich einfach mal an die Spielplätze der eigenen Kindheit erinnern.

Tipps für den Kinder – Garten

  • Kinder mögen „verwunschene“ Gärten. Neben der Rasenfläche zum Spielen genügend Rückzugsmöglichkeiten und Nischen mit Hecken, Sträuchern und Bäumen schaffen.
  • Anlegen von Bereichen mit „Naschobst“ wie Maibeeren, Himbeeren, Brombeeren, Apfelbeeren, Heidelbeeren, Kiwi, …
  • Zusammen Gemüse anbauen: Hierbei lernen Kinder viele wichtige Zusammenhänge. Oft reicht schon ein kleines, eigenes Hochbeet für ein paar Radieschen und Möhren.
  • Spielbereiche mit Sand, Lehm, Holz, Steinen, Wasserschalen, etc. anlegen. Dies ermöglicht kreatives Spielen.
  • Und sicher nicht zuletzt: Zeit für die Kinder nehmen, zum Spielen und Naturzusammenhänge erklären – also raus in den Garten!
Sven Görlitz, Gartenberater Verband Wohneigentum Baden-Württemberg e.V.