Bei der Mitgliederversammlung am 21. April 2018 in Karlsruhe gab es viel zu berichten. Zunächst wurde festgestellt, dass der Verband auf soliden Beinen steht. Dann blickten alle in die Zukunft: Der Verband Wohneigentum wird sich in den kommenden Jahren stärker als Verbraucher-Schutzgemeinschaft etablieren. Mitglieder dürfen sich auf weitere Vorteile freuen, denn eine Service-GmbH befindet sich bereits in Gründung.

Die wichtigste Nachricht konnte Landesgeschäftsführer Roland Schimanek vor 217 Delegierten gleich zu Anfang der Mitgliederversammlung verkünden: „Wir stehen auf einem wirtschaftlich gesunden Fundament.“ Mit diesen Worten eröffnete Schimanek seinen Bericht zum zurückliegenden Haushaltsjahr.

„Wir haben ordentlich – sprich satzungsgemäß – gehaushaltet und können eine schwarze Null schreiben“, stellte Schimanek fest. Er gab einen umfassenden Bericht über Einnahmen und Ausgaben und stellte den Delegierten die Mittelverwendung und Mittelherkunft in der Bilanz vor.

Sorgenkind: Neue Vorstände

Allerdings gibt es auch Grund zur Sorge: Vor allem das ehrenamtliche Engagement schwindet in einigen Vereinen zusehends. „Es wird immer schwerer, Menschen zu finden, die das Engagement aufbringen, einen Verein aktiv zu unterstützen oder gar zu führen“, stellte der Landesverbandsvorsitzende Harald Klatschinsky in seinem Referat fest. Das liegt im allgemeinen Trend der Gesellschaft. Immer mehr Menschen sind nur noch auf ihren eigenen Vorteil aus.

„Viele Menschen sind nicht mehr bereit, die Gesellschaft durch soziales Mitwirken zu stärken“, fügte Klatschinsky an. „Zwar hat der Gesetzgeber mit Ehrenamtsstärkungsgesetzen das Richtige gewollt, aber leider Falsches verlangt: Die Vereinsarbeit wurde bürokratisiert und so die Bereitschaft für Engagement erschwert.“

Gemeinnützigkeit sichern

Vorbildlich: Eine Gemeinschaft, die Halt gibt

Dabei leisten gerade die Vereine im Verband Wohneigentum Vorbildliches. Sie sind lokal engagiert und pflegen die nachbarschaftliche Verbundenheit – auf äußerst vielfältige Weise. Die Palette an Angeboten ist groß. Sie reicht je nach Verein von der gemeinsamen Wanderung bis zum Seniorennachmittag, vom Blumengießen in der Urlaubszeit bis zum teils prall gefüllten Geräteschuppen. Dort können sich die Mitglieder zumeist gegen eine kleine Gebühr bedienen. „Wohneigentum und das Engagement unserer 152 Vereine vor Ort geben dem Gemeinwesen Halt“, betonte daher auch Roland Schimanek. Gerade die Vereine machen klar, wie wichtig der Verband als Interessensvertretung ist.

„Nachbarschaftshelfer, Verbraucherschützer, Bürgerverein“

Ein besonders wichtiges und hohes Gut ist die Anerkennung der gemeinnützigen Tätigkeit des Verbandes und seiner Untergliederungen durch das Finanzamt. „Wir sind Nachbarschaftshilfsverein, Verbraucherschützer und Bürgerverein. Mit vielfältigen Aktivitäten, Veranstaltungen und Beratungen realisieren wir den Satzungszweck“, stellte Roland Schimanek fest. Und: „Wir sind Träger öffentlicher Belange und bringen uns in den Gemeinden und im Land ein.“ Somit hat der Verband für die Menschen vor Ort vielfältige direkte Aufgaben.

Mehr Attrativität im Verband: Service-GmbH in Gründung

„Auf Dauer wird der Verband Wohneigentum Baden-Württemberg noch viel attraktiver für Mitglieder sein“, versprach Harald Klatschinsky. Wie aber will der Verband die Gemeinnützigkeit erhalten und zugleich den Mitgliedern Zugang zu attraktiven Produkten und Dienstleistungen zu ermöglichen? Ganz einfach, so Klatschinsky: „Der wirtschaftliche Geschäftsbetrieb wird in eine Service-GmbH ausgelagert.“

Diese Service-GmbH soll Leistungen organisieren – etwa Sonderpreise bei Ökogas, Ökostrom und Heizöl erwirken. Sie wird Vergünstigungen bei Beratungsdienstleistungen aushandeln und Rabatte beim Einkauf etwa in Baumärkten erwirken. Auch Vergünstigungen bei Versicherungen stehen auf dem Programm.

„Der wirtschaftliche Geschäftsbetrieb wird in eine Service-GmbH ausgelagert.“ Harald Klatschinsky

Vortragsreihe: Forum Wohneigentum

Forum Wohneigentum: Vortragsreihe mit Zulauf (Foto: Gaby Zeller)

Um Mitglieder und alle, die es werden möchten, gerade vor Ort besser zu informieren, wurde in Baden-Württemberg eine neue Vortragsreihe installiert. Unter dem Titel „Forum Wohneigentum“ führen die Bezirksverbände zusammen mit den örtlichen Vereinen regionale Veranstaltungen durch. Themen gibt es viele. Gestartet wurde mit einem interessanten Vortrag zum Erben und Vorsorgen in Geißlingen, veranstaltet vom Bezirksverband Waldshut. Info-Veranstaltungen zu Themen wie Bauvertragsrecht, Nachbarrecht, Förderprogramme und viele andere werden folgen.

Ein  Thema, das momentan viele Menschen im Land beschäftigt, wird bei den Vorträgen immer wieder auftauchen:  Modernisierung. Da sieht Roland Schimnek viel Bedarf: „Die Modernisierung der eigenen vier Wände wird auf viele Haus- und Wohnungseigentümer zukommen“, sagte er, „hier werden wir beraten und motivieren, sinnvoll zu planen.“

Da viele Mitglieder die nötigen Erneuerungen nicht auf einmal stemmen können, ist es oft sinnvoll, einen Fahrplan von Einzelschritten zu erstellen. Allerdings betonte der Geschäftsführer auch, dass Maßnahmen zur energetischen Modernisierung freiwillig erfolgen müssen: „Mit Vorschriften kann das nicht gehen, sonst wird der Kitt, der das Gemeinwesen zusammen hält, erodieren.“

Arbeitsreiche Mitgliederversammlung: Delegierte in Karlsruhe (Foto: Sven Görlitz)

„Staat muss aktiver werden“

Auf dieser Basis sind auch die Forderungen des Verbandes keine Überraschung: Der Staat sollte Maßnahmen nicht nur mit Zuschüssen und günstigen Krediten fördern. Investitionen – auch für das selbstgenutzte Wohneigentum – müssen mit fünf Prozent abschreibbar werden!

„Ohne solche steuerlichen Anreize sind Forderungen zum Klimaschutz nichts als Sonntagsreden“, meinte Schimanek abschließend. Klar ist auch, dass der Erfolg der Forderungen des Verbandes von einer starken Basis abhängig sind. Um diese Basis auszubauen, hofft der Verband Wohneigentum auf eine positive Wirkung der aktuellen Mitgliederwerbung.

Für die 217 Delegierten aus ganz Baden-Württemberg gab es übrigens auch etwas zu tun: Neben dem Tätigkeits- und Geschäftsbericht arbeiteten alle Teilnehmer am Leitbild und an den Zukunftsthemen des Verbands Wohneigentum Baden-Württemberg. Und da dürfen die Mitglieder und alle, die es werden wollen, einiges erwarten.