Müllvermeidung: Starke Ideen von Verbandsmitgliedern

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Abfall vermeiden, Ressourcen schonen, bewusster konsumieren – das sind für die meisten Mitglieder im Verband Wohneigentum wichtige Ziele. Anlässlich der „Europäischen Woche der Abfallvermeidung“ im November 2018 veranstaltete der Verband Wohneigentum einen eigenen Wettbewerb. Unter dem Motto „Raus aus der Wegwerfgesellschaft“ wurde nach Ideen und kreativen Tipps gefragt. Mit hoher Beteiligung und interessanten Ergebnissen.

Logo der Aktion

Wenn sich Wohneigentümer in Deutschland zum Thema Müllvermeidung und Wegwerfgesellschaft äußern, spürt man es schnell: Selbstnutzende Wohneigentümer haben in vielen Punkten eine ganz eigene Sicht auf die Dinge. Geprägt ist diese Weltsicht von einem hohen Grad an Klarheit. Und von einem gesunden Pragmatismus, der fernab von Trends und Moden liegt.

Mit anderen Worten: Wohneigentümer stehen mitten im Leben. Kein Wunder, sie sind ja auch die glücklicheren Menschen, wie Studien immer wieder ergeben.

Müllvermeidung: Selbst Obst und Gemüse ziehen

Alte Siedler-Methode: Selbstversorgung spart Müll! (Foto: MK)

Die Umfrage, die der Verband Wohneigentum anlässlich der „Europäischen Woche der Abfallvermeidung“ durchführte, brachte viele Erkenntnisse – durchgängig positive. So haben viele Wohneigentümer die klassischen Siedler-Devisen heute noch verinnerlicht. Aber auch junge Familien entscheiden sich wieder verstärkt für die Methoden, die als Grundlage Gemeinschaften im Geiste der Solidarität wachsen ließen.

Das beginnt bei der Selbstversorgung. Wer Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten verwendet, hat nicht nur die höherwertigen und vor allem geschmacklich besseren Sachen auf dem Teller. Die „Methode Selbstversorgung“ spart auch Abfall. Wie es in einer Zuschrift sinngemäß hieß: „Wenn ich meine Tomaten aus dem Garten hole, brauche ich keine Verpackung dafür!“

Kein Müll aus dem Garten

Martin Breidbach, Bundesgartenberater im Verband Wohneigentum, bringt genau dieses Thema in seinem anschaulichen Video auf den Punkt. „Nichts, was naturgemäß im Garten ist, gehört in die Mülltonne“, sagt er. „Alles – ob Rasenschnitt oder Herbstlaub – lässt sich kompostieren und dem Kreislauf der Nährstoffe im Frühjahr wieder zuführen.“ Zudem kann Herbstlaub sogar Funktionen übernehmen, wie manche Teilnehmer betonten.

Denn wer das gesammelte Laub vor dem Kompostieren in Beeten verteilt, schützt Stauden und weitere mehrjährige Pflanzen aktiv vor dem Erfrieren. Über die geballte Erfahrung, die sich in den Zuschriften zeigte, staunte sogar der routinierte Gartenberater. In Baden-Württemberg allerdings darf in vielen Gemeinden Herbstlaub gar nicht in die Biotonne!

Übrigens: Selbst wer in seinem Garten keinen Komposthaufen hat, kann einiges zur Müllvermeidung beitragen. Zum einen gibt es in Baden-Württemberg überall Biotonnen. Auch auch Kompost-Sammelstellen lassen sich anfahren – am besten mit dem Fahrradanhänger natürlich.

Wasser: natürlich aus der Leitung!

Auch in einem anderen Punkt zeigen deutsche Wohneigentümer einen klaren Blick für die Realität. Bei der Trinkwasserqualität nimmt Deutschland einen der vorderen Plätze ein. Was beim Kochen, bei Kaffee oder Tee sowieso auf der Hand liegt, davon sind die Teilnehmer des Wettbewerbs auch in weiterer Hinsicht überzeugt: Wenn es ums Wasser geht, ist das aus dem Hahn unschlagbar. Das spart nicht nur Verpackung und Transport, sondern auch Geld.

Keine Verpackung, kein Schleppen – Trinkwasser in Baden-Württemberg hat Spitzenqualität (Foto: MK)

Der Tenor der Zuschriften bei diesem Thema: Selbst wenn sich Mehrweg-Systeme reduzieren lassen, ist das ein wichtiger Beitrag zur Müllvermeidung.

Viele Mitglieder im Verband Wohneigentum trinken Wasser aus dem Hahn, junge Familien verwenden es auch zur Zubereitung von Säuglingsnahrung. Manche verwenden zusätzlich Wassersprudler, weil sie nicht auf die Kohlensäure verzichten möchten.

Frischetheke: Eigene Dosen durchsetzen!

Wenn es darum geht, an der Käse- oder Wursttheke Verpackungsmüll zu vermeiden, werden auch heute noch die mitgebrachten Gefäße meistens abgewiesen. Das Argument: Die hygienischen Vorschriften erlauben das nicht. Das ist allerdings nicht ganz richtig. Denn es gibt keine klaren, eindeutigen Vorschriften, die es verbieten, etwa eine Metalldose auf die Theke zu stellen.

Verständnis für die Sorgen der Betriebe ist bei den Mitgliedern im Verband Wohneigentum durchaus vorhanden. Schließlich sind die Regeln der Lebensmittelüberwachung bei uns glücklicherweise streng. Und natürlich können mitgebrachten Dosen oder Beuteln unsichtbare Krankheitskeime anhaften. Klar auch, dass die Läden darauf achten müssen, dass keine „nachteilige Beeinflussung“ der Lebensmittel stattfinden kann.

Signale gegen Verpackungswahn

Der Rest aber ist Ermessenssache der Händler. Und dann regen sich die Teilnehmer der Umfrage zu Recht über unzeitgemäße Ignoranz auf. Die eigene Dose auf den Tresen zu stellen oder hinzuhalten ist nämlich durchaus erlaubt. Hier ist der Tenor bei Wohneigentümern aus ganz Deutschland ebenfalls eindeutig: Wenn alle sich weigern, den Plastikmüll mit nach Hause zu nehmen, muss sich etwas tun. Da ist also Penetranz gefordert!

Eigene Dose für Frischwaren – am besten aber aus Metall (Foto: MK)

Immerhin: Ein großer Discounter hat bereits 2017 verkündet, Wurst und Käse in mitgebrachte Dosen zu füllen, um so ein deutliches Signal gegen den Verpackungswahn zu setzen. Eine Marketing-Idee? Mag sein – aber wenigstens eine sinnvolle. Wenn sich mit solchen Kampagnen das Image verbessern lässt, sind die Zeiten nicht ganz schlecht. Und einige fortschrittliche Läden verfügen bereits über denkbar einfache Lösungen zur Müllvermeidung.

So kann das Verkaufspersonal etwa ein Tablatt hinhalten, auf das dann die mitgebrachte Dose gestellt wird – Problem gelöst. Es geht also. Ein kleiner, aber wichtiger Schritt auf dem Weg „raus aus der Wegwerfgesellschaft“.

Mehrfach verwenden

Viele Menschen schrieben, dass sie Verpackungen mehrfach benutzen. Da wird also nichts einfach weggeworfen. Eierkartons beispielsweise wandern zwischen Händler beziehungsweise Marktstand und Verbrauchern hin und her, viele Wohneigentümer kaufen ihre Eier sogar direkt beim Bauern – natürlich ohne Einwegverpackungen. Brötchentüten, die für den Biomüll wiederverwendet werden, geben ein weiteres gutes Beispiel ab.

Müll vermeiden, das kam bei vielen Zuschriften zur Sprache, beginnt beim Einkauf. Oft sind die Mehrausgaben für bessere und damit länger haltbare Produkte überschaubar. Auf die Dauer lohnt es sich allemal – auch abgesehen von der Müllvermeidung. Einige Teilnehmer der Umfrage wiesen auch auf Online-Videos hin, die etwa beim Reparieren von Elektrogeräten helfen.

Radiowecker, Toaster, Haartrockner – viele Geräte des täglichen Lebens sind heute zum Wegwerfen konzipiert. Aber sie lassen sich oft reparieren, wenn auch mit etwas Zeitaufwand. Wer also seine Kaffeemaschine reparieren möchte, kann das mit Hilfe eines Videos in Kleinarbeit erledigen.

Moderner Wasserkocher – nicht zum Reparieren hergestellt (Foto: MK)

Oder man geht in eines der immer häufiger werdenden Repair-Cafés. Davon gibt es auch einige in Baden-Württemberg. In diesen hilfreichen Cafés helfen Ehrenamtliche bei der Reparatur – eben damit weniger Müll entsteht.

Obst und Gemüse ohne Plastik

Viel einfacher lässt sich Abfall bei Obst und Gemüse vermeiden. „Wo ist der Sinn dabei, einzelne Salatgurken in Plastikfolie zu verpacken?“ Mit solchen Fragen machten die Teilnehmer deutlich, dass sie den Wahnsinn Plastikmüll nicht mehr mitzumachen gedenken.

So lauten die Tipps zur Müllvermeidung unter anderen, auf verpacktes Gemüse zu verzichten – und den Händler das wissen zu lassen. Denn nur wenn der Händler weiß, warum sein in Folie verpacktes Gemüse schlechter geht als das unverpackte, kann er reagieren. Nur dann wird sich auf Dauer etwas ändern.

Mit Netz und Beutel

Was vielen Wohneigentümern negativ auffällt, ist eine tatsächlich etwas komische Doppelmoral. In der Gemüseabteilung wird mit Plastiktüten hantiert, als gäbe es kein Morgen – und an der Kasse gibt es manchmal bereits überhaupt kein Plastik mehr. Dass sich auch Obst und Gemüse in feinen – und natürlich waschbaren – Mehrwegnetzen einkaufen lassen, zeigt NRW-Gartenberater Philippe Dahlmann auf dem Foto weiter unten.

Wie viele Teilnehmer an der Umfrage hat auch er „praktisch immer“ ein Netz oder einen Beutel bei sich. In der Jackentasche, auf dem Gepäckträger des Fahrrads.

Ein erfahrener Gartenberater beim ökologisch sinnvollen Einkauf (Fotorechte bei Philippe Dahlmann)

Dass man mit Verboten durchaus weiter kommt als mit Verbraucherverhalten, zeigte schon vor Jahren der US-Bundesstaat Kalifornien. Dort sind Plastiktüten in Supermärkten bereits seit 2014 nicht mehr erlaubt. Berichte über Umsatzeinbußen sind nirgends zu finden.

Und es muss sich auch in Deutschland etwas ändern. Schon 2016 schlug das Bundeszentrum für Ernährung Alarm: 90.000 Tonnen Verpackungsmüll produzieren allein die Deutschen!

Mehrweg statt Einweg

Dass Mehrwegsysteme die Umwelt schonen, ist längst erwiesen. Die Ökobilanzen des Umweltbundesamtes zeigen das deutlich. Besser als den Müll zu trennen ist es allemal, ihn zu vermeiden. Das wissen natürlich auch die deutschen Wohneigentümer, egal aus welchem Bundesland: Recycling ist gut – Mehrweg ist besser.

Bei Einwegverpackungen – selbst bei Glasflaschen – kann das Material oft nur zu einem Drittel recycelt werden. Der Rest ist dann schlicht und ergreifend tatsächlich Abfall. Da verwundert es nicht, dass die meisten Teilnehmer der Umfrage sich eine Ausweitung von Pfandsystemen und Mehrwegflaschen wünschen.

Der grundsätzliche Tenor bei diesem Thema: „Warum sollte etwa bei Gurkengläsern oder Ketch-up-Flaschen kein Pfand möglich sein?“ Auch als Mehrwegflaschen getarnte Einweglösungen, womit Discounter schon vor Jahren die Verbraucher täuschten, sind Wohneigentümern ein Dorn im Auge.

Gezielter Einkauf vermeidet Verschwenden

Ein Aspekt, der in mehreren Beiträgen zur Sprache kam, ist das Thema Verschwendung. Auch bei Lebensmitteln stellt sich die Frage: „Brauche ich das wirklich?“ Die häufige Antwort ist klar und deutlich: Nein! Die Fakten: Elf Millionen Tonnen Lebensmittel landen Jahr für Jahr im Müll – allein in Deutschland, wie das Bundeszentrums für Ernährung erforschte. Dabei müsste allen klar sein: Jedes Lebensmittel, das nicht auf dem Müll landet, spart wertvolle Ressourcen ein. Für viele, die sich an sder Umfrage beteiligten, ist das längst selbstverständlich geworden.

Gemüse: Ohne Plastikmüll vom Händler in den Kühlschrank (Foto: MK)

Manche nehmen auch ins Restaurant die Mehrwegdose mit, um etwaige Essensreste stilecht nach Hause zu bringen. Man kann sogar ganz bewusst beim Bäcker nach Brot vom Vortag fragen – das vermeidet nicht nur das Wegwerfen von Lebensmitteln, sondern spart auch noch Geld. Auch diese Anregung kam als Ergebnis der Umfrage.

Kaum verwunderlich ist bei solchen Tipps und nachahmenswerten Ideen, dass kaum jemand aufwendig verpackte Fertigprodukte kauft. Wohneigentümer kochen selbst – mit so wenig Abfällen wie möglich.

Teilen! Tauschen!

Ein interessanter Aspekt überraschte die Veranstalter der Umfrage. Denn viele Wohneigentümer erzählten davon, dass sie Kleidung tauschen oder schon mal im Secondhand-Laden einkaufen. Diese Bereitschaft, auch bei Kleidung zur Müllvermeidung beizutragen, geht gegen den aktuellen Trend. Denn eigentlich ist es immer weiter verbreitet, in Billigketten günstige Shirts, Hosen und Pullis zu kaufen, um sie nach wenigen Wochen wieder abzustoßen. Und das heißt: wegzuwerfen. Auch wenn das Geld knapp ist, da scheint es wichtiger zu sein, einen gewissen Lebensstil vorzugaukeln.

Partytime im örtlichen Verein: Alles klar zur „Kleidertauschparty“! (Foto: MK)

Wohneigentümer haben viele Ideen, wenn es um das Vermeiden von Abfall geht. Die Zuschriften zeigen das Bild von verantwortungsbewussten Menschen, die sich in funktionierenden Gemeinschaften am wohlsten fühlen. Und da hat es längst den Nimbus des Despektierlichen verloren, Kleidung zu tauschen oder aus zweiter Hand zu kaufen. Ob in Läden, auf Flohmärkten oder Tauschbörsen. So veranstalten manche örtliche Vereine regelrechte „Kleidertauschpartys“. Da wechseln dann auf unterhaltsame Weise gut erhaltene Einzelstücke den Besitzer.

Es wird Kinderkleidung getauscht, auch um Spielsachen wird verhandelt – und nebenei wird die Nachbarschaft untermauert. So manche Mitglieder lernen heute offenbar so die Menschen kennen, die dann im Sommer den Rasen wässern oder im Urlaub aufs Haus aufpassen.

Vorbild örtliche Vereine: Geräteschuppen

Beim Thema „Teilen und Tauschen“  hat der Verband Wohneigentum ja schon immer einen ganz besonderen Trend gesetzt: Viele örtliche Vereine verfügen über die Grundausstattung, die alle Mitglieder kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr in Anspruch nehmen können. Rasenmäher, Vertikulierer, Häcksler, aber auch Tapeziertische oder Winkelschleifer schaffen sich viele Mitglieder längst nicht mehr selbst an. Weil es der Verein eben im Geräteschuppen hat. Das spart in jeder Hinsicht Müll und stärkt die Gemeinschaft.

Auch über gut bestückte Geräteschuppen hinaus liegen Teilen und Tauschen im Trend. Dazu kommt noch: das Verschenken. Wer Dinge nicht mehr nutzt oder braucht, stellt sich einfach vors Haus, an den Straßenrand – oder ins Regal im Bürgerzentrum. Und wer etwas sucht, schaut dort nach. Weniger Konsum, weniger Müll, mehr Geld in der Tasche – so einfach kann das manchmal sein.

Müllvermeidung bei „to go“

„Für zum hier oder für zum mit?“ – so lautet eine klassische Frage an heutigen Kaffeetheken, die sich mit ungenügenden Deutschkenntnissen kaum verstehen lässt. Wer sich nun „für zum mit“ entscheidet, sollte es so machen wie Manfred Jost, Präsident vom Verband Wohneigentum. Der freut sich über die rege Teilnahme – und dass es den Mitgliedern „um die vielen kleinen Schritte im Alltag geht, die unseren Konsum und unser Entsorgen nachhaltiger machen.“

Und er selbst? Manfred Jost ist viel unterwegs, trinkt leidenschaftlich gern frischen, heißen Kaffee – und hat längst einen eigenen Becher bei sich. Wie die meisten Mitglieder will auch er „einen bescheidenen Beitrag leisten“. Aber lassen wir ihn doch zum Abschluss einfach selbst zu Wort kommen: