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Wenn der Nachbar mit der Hecke …

Immer wieder erreichen uns Anfragen, wie hoch denn die Hecke des Nachbarn eigentlich wachsen darf – und natürlich auch, wie hoch die eigene sein kann. Nachdem der Bundesgerichtshof zu einem Nachbarschaftsstreit in Bayern eine Entscheidung getroffen hat, wurde das Thema wieder richtig aktuell.

In Bayern ging es um einen heftigen Streit unter Nachbarn: An einem Hanggrundstück steht eine Thujahecke – unterhalb einer einen Meter hohen Mauer. Jene Hecke aber ist sechs Meter hoch, das war dem Kläger zu hoch. Der wohnt im Grundstück darüber – und er forderte den Rückschnitt. Der Heckenbesitzer wollte das aber nicht. Da die Hecke schon lange stand und eben nach und nach gewachsen war, berief er sich auf eine Verjährung des Anspruchs.

Das Gericht urteilte, dass die Verjährung nicht greift und die Hecke zurückgeschnitten werden muss. Die entsprechende Höhe, so das Gericht, richtet sich nach der Maueroberkante, also dem Geländeniveau des Klägers.

In Baden-Württemberg ist das im Nachbarrechtsgesetz geregelt: Nach §12 gilt für Höhe, Abstand und Rückschnitt von Hecken Folgendes:

  • Mit Hecken bis 1,80 m Höhe ist ein Abstand von 0,50 m, mit höheren Hecken ein entsprechend der Mehrhöhe größerer Abstand einzuhalten.
  • Die Hecke ist bis zur Hälfte des nach Absatz 1 vorgeschriebenen Abstands zurückzuschneiden. Dies gilt nicht für Hecken bis zu 1,80 m Höhe, wenn das Nachbargrundstück innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile oder im Geltungsbereich eines Bebauungsplans liegt und nicht landwirtschaftlich genutzt wird (Innerortslage).
  • Der Besitzer der Hecke ist zu ihrer Verkürzung und zum Zurückschneiden der Zweige verpflichtet, jedoch nicht in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September.

Abstand der Hecke zur Grundstücksgrenze

Und was heißt das konkret? Der Stamm der Hecke muss mindestens einen halben Meter Abstand zur Grundstücksgrenze haben. Dann darf die Hecke also 1,80 m hoch werden und bis an die Grenze wachsen. Soll die Hecke zwei Meter hoch sein, muss der Abstand mindestens siebzig Zentimeter betragen. Allerdings sollte die Hecke von der eigenen Grundstückseite aus zu pflegen sein. Wurde an der Grenze eine Stützmauer errichtet, auf der sich die Hecke befindet, verringert sich die Heckenhöhe um die Höhe der Stützmauer. Eine Verjährung zum Rückschnitt gibt es übrigens nicht.

Nachbarschaft? Gut!

Soweit die Gesetzeslage. Mitglieder im Verband Wohneigentum kümmern sich aber in aller Regel untereinander darum: Für ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis ist es sehr wichtig, immer im Gespräch zu bleiben, Veränderungen mitzuteilen und entsprechende Kompromisse zu machen. Werden Vereinbarungen getroffen, die sich nicht mit dem Nachbarrechtsgesetz decken, so sollte das schriftlich festgehalten werden. Ein Beispiel: Eine Hecke wird gemeinsam auf die Grenze gepflanzt, sie soll drei Meter hoch werden und wird gemeinsam gepflegt – da ist eine Fixierung auf Papier immer am besten.

Sollte es einmal zu Meinungsverschiedenheiten unter Nachbarn kommen, lassen sich meistens gemeinsame Lösungen finden. Ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis sollte es einem wert sein.