„Wir hätten gerne etwas mit Steinen, wie man es jetzt überall sieht.“ Vom Gartencenter bis zur Gartenberatung ist dieses Anliegen in den letzten Jahren immer häufiger geworden. Vor allem in deutschen Vorgärten hat sich der „Stein-Wahn“ durchgesetzt: Steinwüsten auf Kunststoffvlies, in denen höchstens zurechtgestutztes Formgehölz wachsen darf.

Der Wunsch nach der Stein-Alternative liegt auf der Hand: ein pflegeleichter Garten, „der keinen Dreck macht“. Im Herbst kurz mit dem Laubsauger drüber, das war’s. Für alle Pflanzen- und Naturliebhaber ist das ein mehr als zweifelhafter Trend. Aber: Sind diese Vorgärten wirklich pflegeleichter?

Klare Position: Verband Wohneigentum Baden-Württemberg auf der Landesgartenschau

Die sogenannten Steinwüsten, von denen hier die Rede ist, haben nichts mit herkömmlichen Steingärten oder Pflanzungen in Kiesflächen zu tun. Die werden nämlich angelegt, um speziellen Pflanzengesellschaften einen Lebensraum zu geben. Und um genau das geht es bei den Steinwüsten eben nicht: um Lebensraum.

Es handelt sich meist um tote Flächen, in denen weder Pflanzen noch Tiere willkommen sind.  – sie kommen der Variante „betonieren und grün anstreichen“ erschreckend nahe.

Leblose Vorgärten – negativer Trend

Auf den ersten Blick sind diese Vorgärten tatsächlich pflegeleicht. Weder im Sommer noch im Winter verlangen sie nach Pflege – zunächst. Dazu später mehr.

Zunächst einmal gibt es – im Sommer wie im Winter – etliche Punkte, die gegen diesen Trend sprechen: Steinflächen erwärmen sich und machen ihre gesamte Umgebung zur unterträglichen Hitzeinsel. Ganz im Gegenteil zum grünen Garten, der allein durch Verdunstung zu einem angenehmen Klima beiträgt.

Alles versiegelt: Keine Abkühlung in Sommernächten

Das Unerträgliche aber beschränkt sich nicht nur auf die Sonnenstunden. Denn die Steine geben die Hitze nachts wieder ab. Das Ergebnis: Im städtischen Bereich wirkt sich das Ersetzen von Pflanzflächen durch Steine in den Sommermonaten so negativ aus, dass es praktisch gar nicht mehr abkühlt. Wer in solchen Wohngebieten guten Schlaf finden möchte, sollte also unbedingt auf die Steinvariante verzichten. Denn Wasserverdunstung durch  Gartenpflanzen ist die „Klimaanlage“ in Wohngebieten.

Kies und Pflanzen in Harmonie – so kann’s gehen

Nicht nur für Menschen wird es schwerer, in einer solchen Umgebung ein angenehmes Leben zu führen. Kleintiere und Insekten leiden extrem darunter: Die Artenvielfalt nimmt ab, weil vielfältig bepflanzte Hausgärten für verschiedenste Tier- und Pflanzenarten eine bedeutende Rolle rollen. Dabei kommt unseren Gärten heute eine wichtigere Rolle als Biotope zu als je zuvor.

Der Grund: Immer mehr Flächen werden bebaut. Auch wenn Wohnbauoffensiven natürlich wünschenswert sind: Sie sorgen für mehr Versiegelung. Und in der Landwirtschaft herrscht weiterhin der Trend zu Monokulturen. Da hat es die Artenvielfalt ebenfalls schwer.

„Menschen brauchen Grün“

Klar ist auch: Wir Menschen brauchen Grün. Wir brauchen eine belebte Umgebung – und das heißt: Wir sind auf Pflanzen in unserem Umfeld angewiesen. Oft werden mit dem Erstellen der Steinanlagen aber bestehende Laubgehölze entfernt, obwohl grüne Oasen nicht nur für die Natur unverzichtbar sind.

Und nun – endlich – zur Frage nach der angeblich so leichten Pflege. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Steinflächen in den kommenden Jahren entwickeln. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass sich diese toten Vorgärten durch Ablagerungen verschiedenster Art im Aussehen und im Bewuchs verändern. Wenn sich dann Laub absetzt, wenn Unkraut durch das Kunststoffvlies nach oben wächst, dann ist die Pflegeleichtigkeit dahin. Denn wer zwischen all dem Schotter jäten möchte, sollte sich auf einige Strapazen einstellen.

Verband Wohneigentum Baden-Württemberg als Vorreiter

Ein weiteres Problem wird vielleicht in naher Zukunft dazukommen. Sollte sich der Trend ändern, erwarten uns Berge von dreckigen Steinen, die entsorgt werden müssen. Wird ein lebendiger, naturnaher Garten umgestaltet, fallen meistens nur kompostierbare Abfälle an. Übrigens hat sich der Verband Wohneigentum Baden-Württemberg nicht nur klar für ausreichend Grün im Garten ausgesprochen: Auf der Landesgartenschau 2018 in Lahr zeigte der Verband in Zusammenarbeit mit den örtlichen Vereinen der Umgebung unter dem Motto „Lebendige Vorgärten – artenreich und pflegeleicht“ eindrucksvoll, wie sich der Unterschied zwischen Steinwüste und lebendigem Garten auswirken kann.

Stein und Kies: wichtiges Gestaltungsmaterial

Ein Beispiel für einen Garten mit einer Steinfläche. Diese Fläche vermittelt Struktur – und ist tatsächlich pflegeleicht.

Wer nun aber Stein, Kies oder auch Betonprodukte im Garten komplett verteufelt, liegt auch falsch. Denn vor allem Naturstein und Betonsteine sind  unersetzliche Gestaltungsmittel im Gartenbau. Sie sorgen dafür, dass die Außenbereiche für die Menschen angenehmer werden, laden zum Verweilen ein und geben den Gärten Struktur.

Es spricht also nichts dagegen, Gärten damit zu gestalten. Nur: Im Kontrast dazu sollten natürlich wiederum viele Pflanzen verwendet werden.

Positiv: Staudenpflanzungen in Kiesflächen

Mit der richtigen Pflanzenauswahl kann ein Kiesbett die Artenvielfalt also sogar fördern. Richtig angelegt, lassen sich mit Kies- und Steinflächen im Garten schöne und besondere Biotope für verschiedene Tier- und Pflanzenarten schaffen. Beim Bau von Steingärten können für Reptilien, Amphibien und Insekten lebenswichtige Unterschlupfmöglichkeiten geschaffen werden.

Gerne werden eingegrabene beispielsweise Tonröhren besiedelt. Totholz und Wurzeln lassen sich gut in Kiesflächen integrieren, sie sind ein wichtiger Lebensraum für viele Kleinlebewesen.

Bestimmte Pflanzen, die auch Trockenperioden überstehen können, lassen sich direkt in magere, sandige Böden oder in Kiesflächen setzen. Dadurch wird Staunässe vermieden und es wachsen wenig unerwünschte Arten auf diesen Flächen. Auf diese Weise angelegte Staudenbeete sind eine blühende Bereicherung im Garten und brauchen nur wenig Pflege.

Tipps zum Anlegen: Kies & Grün

Für Gartenflächen mit Kies eignen sich sonnige Bereiche am besten. Der Oberboden sollte je nach Beschaffenheit bis zu dreißig Zentimeter abgegraben werden, wobei der verbleibende Boden frei von Wurzelunkräutern sein muss. Danach lässt sich die Fläche kreativ gestalten – mit Hügeln, Mauern oder großen Steinen, die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. Der Kies wird dann mit Sand oder Humus gemischt, dabei können in der Fläche mit Trittsteinen Wege entstehen. Im Anschluss erfolgt das Pflanzen von geeignetn Sträuchern, Stauden und Gräsern.

Auch da ist die Auswahl riesig. Ob Wildrosen, Gewöhnliche Felsenbirne, Buchs oder Ginster, ob Bartblume, Federgras oder Fetthenne – die Palette reicht über Lavendel und Duftnessel bis hin Lein, Majoran, oder Salbei. Auch Federnelke, Walzen-Wolfsmilch und Natternkopf sind denkbar, sogar Thymianarten und verschiedene Zwiebel- und Knollenpflanzen eignen sich. Da die Fläche viel Sonne bekommt, fühlen sich auch viele mediterrane Kräuter an diesem Standort wohl.

Was auch immer dort wächst, es sollte in der Anwachsphase bei Trockenheit unbedingt gut gewässert werden. Dabei muss nicht unbedingt das gesamte Gartenjahr im Blick behalten werden, aber im März sollten die Stauden und Gräser zurückgeschnittet werden. Der Schnitt wird dann gehäckselnt – damit werden die Pflanzen mulchen.

Es gibt auch eine pflegeleichte Alternative zu Steinen, besonders im schattigen Bereich. Das Bepflanzen mit bodendeckenden Stauden ist ebenfalls eine gute Möglichkeit.

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