Im süddeutschen Raum ist die Energieversorgung bis zum Jahr 2025 gesichert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag des baden-württembergischen Umweltministeriums, die Mitte Februar veröffentlicht worden ist. Sie ist hier einsehbar.

Noch im vergangenen Sommer wurde die Versorgungssicherheit Deutschlands in puncto Strom stark in Frage gestellt: „Die Kraftwerkskapazitäten in der Europäischen Union schmelzen dahin“, hieß es in einer Studie des Bundesverbands der Elektrizität- und Wasserwirtschaft (BDEW). Dabei ging es vor allem darum, dass Deutschland in einer Phase ohne Wind und mit wenig Sonne nicht mit ausreichender Hilfe anderer Länder rechnen könne.

Konventionelle und erneuerbare Energie im Fokus

Die jetzige Studie bezieht sich auf die Versorgungssicherheit aufgrund der aktuellen regulatorischen Rahmenbedingungen – und basiert zudem auf dem Bestand der Kraftwerke für konventionelle und erneuerbare Energie. Erstellt wurde sie gemeinsam vom Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) der Universität Stuttgart, vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und vom Institut für Feuerungs- und Kraftwerkstechnik (IFK) der Universität Stuttgart.

Vier Wetter- und Lastvarianten analysiert

In der Studie wurden auch jene Faktoren berücksichtigt, die der Bevölkerung teils große Sorge bereiten. So wurden explizit die Folgen der Stilllegungen von konventionellen Kraftwerken untersucht – und was der Ausbau der erneuerbaren Energien für die Zukunft bedeutet.

Im Jahr 2025 werden für die Deckung der Nachfrage ausreichende Erzeugungskapazitäten vorhanden sein.“

Franz Untersteller

Die Gutachter analysierten dabei vier verschiedene Wetter- und Lastvarianten – für den Fall, dass die konventionellen Kraftwerke nach ihrer erwarteten Lebensdauer stillgelegt werden, aber auch bei einem beschleunigten Ausstieg aus dem Kohlebergbau.

„Ausbau der Erneuerbaren vorantreiben“

Die Vorschläge der Kohlekommission sind in der Studie übrigens noch nicht berücksichtigt. Dennoch sind sich die Verantwortlichen sicher: Diese Vorschläge lassen sich durch die angenommenen Szenarien ebenfalls abdecken.

Das Ergebnis ist zunächst beruhigend, wie Umwelt- und Energieminister Franz Untersteller betont: „Bis 2025 ist die Stromversorgung gewährleistet.“ Allerdings stellte er auch in Aussicht, dass große Anstrengungen auf Land und Menschen zukämen: „Für die Zeit danach müssen wir schon heute den Ausbau der Netze und der Erneuerbaren weiter vorantreiben.“

Das also ist die gute Nachricht, die Umwelt- und Energieminister Franz Untersteller (Bündnis 90/Grüne) zu verkünden hatte: „„DLR, IFK und IER gehen für alle betrachteten Szenarien und Varianten davon aus, dass im Jahr 2025 für die Deckung der Nachfrage ausreichende Erzeugungskapazitäten vorhanden sind.“

Wichtig: Ausbau der Übertragungsnetze

Dass allerdings die eingangs erwähnte Studie aus dem letzten Sommer nicht ganz ohne Bedeutung ist, räumte Franz Untersteller ebenfalls ein: „Süddeutschland wird in Zukunft zunehmend auf Stromimporte aus dem Norden oder den Nachbarländern angewiesen sein. Damit ist klar, dass wir dem Ausbau der Übertragungsnetze auch weiterhin größte Bedeutung beimessen müssen.“ In dem Zusammenhang seien auch die verschiedenen Reserveinstrumente notwendig: Nur so könne dauerhaft die Versorgungssicherheit gewährleistet werden.

Laut Untersteller beantwortet die Studie auch eine wesentliche Frage: Kann mit einem verstärkten Ausbau der erneuerbaren Energien Kapazitätslücken in der Stromversorgung entgegengewirkt werden? Für den Minister ist die Studie also eine weitere Herausforderung: „Wir werden die Erkenntnisse aus der Studie nutzen, um unsere Klimaziele weiterzuentwickeln, unser Integriertes Energie- und Klimaschutzkonzept bedarfsgerecht fortzuschreiben und die für eine erfolgreiche Energiewende notwendigen energiepolitischen und energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen vorausschauend zu gestalten.“

Keine akuten Engpässe bei Kohleausstieg

Baden-Württemberg: Auf Stromimporte angewiesen?

Nur wenige Tage vor der Veröffentlichung der Studie wurden die Vorschläge der Kohlekommission bekannt. Die dort angenommenen Entwicklungen unterscheiden sich durchaus von denen der neuen Studie, lassen sich aber damit vergleichen. So macht beispielsweise die Kohlekommission keine genauen Vorschläge zur Reihenfolge von Stilllegungen. Aber, so Franz Untersteller: „Wir dürfen trotzdem davon ausgehen, dass auch mit einem beschleunigten Kohleausstieg nach den Vorschlägen der Kommission 2025 keine akuten Kapazitätsengpässe entstehen.“ Natürlich werde die Landesregierung „die Rahmenbedingungen zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit weiterhin aufmerksam beobachten“, wie der Minister hinzufügte. Schließlich sei die Versorgungssicherheit „einer der Leitgedanken der baden-württembergischen Energiepolitik“, so Untersteller.

Studie zum Download

Wer die Studie im Detail lesen möchte, kann das tun. Hier steht sie gratis zum Download zur Verfügung.