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Eine realistische Vorstellung vom Wert einer  Immobilie ist wichtig, vor allem bei Kauf, Verkauf oder im Erbfall. Deshalb braucht es  ein Wertgutachten, um Klarheit zu bekommen. Im Gegensatz zur kostenlosen Immobilienbewertung handelt es sich bei einem Wertgutachten um die kostenpflichtige Bewertung der Immobilie, die auch vor Gericht Bestand hat.

Der Sachverständige ermittelt den Verkehrswert einer Immobilie auf Basis des Baugesetzbuches (BauGB) und der Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV), erklärt Wolfgang Szubin. Der Architekt ist Mitglied des Präsidiums im Verband Wohneigentum und Berater für Wohnen und Bauen im Landesverband NRW des Verbands Wohneigentum.

Was beeinflusst den Wert?

Das Grundstück und seine Lage sind wichtige Kriterien bei der Wertermittlung. Denn in der Stadt gelten andere Maßstäbe als in einer ländlichen Gegend. Natürlich sind auch das Gebäude und der Zustand, in dem es sich zum Zeitpunkt des Gutachtens befindet, ausschlaggebend. „Je älter die Immobilie ist, desto größer ist die Wertminderung“, so Szubin. Bei Gebäuden wird rechnerisch ein zu erwartendes Lebensalter von 80 Jahren zugrunde gelegt – es sei denn, es wurde im Laufe der Jahre fachgerecht saniert. Rechnerisch jünger wird das Gebäude durch eine Modernisierung, deshalb steigen also Restnutzungsdauer und damit auch sein Wert. Nachträgliche Fassadendämmung oder eine Photovoltaikanlage können beispielsweise wertsteigernd sein. Grundbucheinträge wie Wege- oder Wohnrechte für Eltern sind in der Regel wertmindernd.

Ablauf des Immobilienwertgutachten

Als erstes widmet sich der Fachmann den Aufzeichnungen zu dem entsprechenden Objekt.  „Zunächst prüft der Sachverständige Unterlagen wie etwa Grundbuch, Lageplan, Altlastenkataster und dergleichen mehr“, erläutert Szubin. Anschließend wird das Objekt besichtigt. Vorhandenes Datenmaterial wie Baupläne wird mit dem tatsächlichen Ausmaß der Immobilie abgeglichen. Wohnflächen und Bruttogrundrissflächen (bebaute Außenflächen) werden ermittelt; ebenso sichtbare, optische Baumängel wie Feuchtigkeit im Mauerwerk.

Ein paar Wochen kann es dauern

Weil sie sehr umfangreich sind, können Wertgutachten bis zu 30 Seiten umfassen. Deswegen braucht es im Gegensatz zu einer kostenlosen Immobilienbewertung oft etwa vier bis sechs Wochen. „Es kann aber auch drei bis vier Monate dauern“, weiß Architekt Szubin.

Gültigkeit ist begrenzt

Zu bedenken ist:  Ein einmal erstelltes Wertgutachten ist bereits im darauf folgenden Jahr nicht mehr gültig. „Das Gutachten weist den Wert der Immobilie zu einem bestimmten Stichtag – dem sogenannten Wertermittlungsstichtag – auf. Wird ein Gebäude nicht saniert, dann verliert es mit jedem Tag an Wert“, erläutert Szubin.

Kosten des Wertgutachtens variieren stark

Wie hoch die Kosten für ein Wertgutachten ausfallen hängt stark davon ab, wie groß die Immobilie und der Aufwand des Gutachters sind. Sie richten sich nach dem ermittelten Wert. Bei einem Einfamilienhaus sollte man etwa mit 1.000 bis 1.500 Euro netto rechnen. Wird kein gerichtsfestes Wertgutachten benötigt, können auch schon preisgünstigere Immobilienbewertungen ohne Vor-Ort-Besichtigung weiterhelfen.