Sven Görlitz ist unabhängiger Gartenberater beim Verband Wohneigentum Baden-Württemberg. Ihn erreichen derzeit viele Anfragen zu vertrockneten Rasenflächen.

Was können Gartenbesitzer tun, deren Rasen durch Trockenheit gelitten hat?

Görlitz: Umdenken. Natürlich hat ein gepflegter und sattgrüner Rasen seine Berechtigung im Garten. Optisch bietet er eine ruhige Fläche und bringt so angrenzende Staudenpflanzungen besser zur Geltung. Bei langen Trockenperioden wie im vergangenen Jahr ist ein Kräuterrasen eindeutig die bessere Alternative. Er stellt sich bei wenig Pflege und auf mageren Böden oft von selbst ein, kann aber auch direkt als Saatgutmischung ausgebracht werden. Diese Mischungen enthalten neben verschiedenen Gräsern auch rund 20 schnittverträgliche Blumenarten wie Gänseblümchen, Schafgarbe, Thymianarten, Salbei und Wiesen-Margeriten.

Wie sieht es mit der Pflege eines Kräuterrasens aus?

Görlitz: Kräuterrasen wird nur etwa  vier- bis achtmal im Jahr gemäht und das Schnittgut von der Fläche entfernt. Auf Dünger sollten Sie ganz verzichten, um den Boden möglichst mager zu halten. Eine Bewässerung ist nach der Anwachsphase nicht mehr nötig. Kräuterrasen ist also denkbar pflegeleicht. Er eignet sich besonders für große Gärten oder wenn Sie nur einen minimalen Pflegeaufwand betreiben möchten.

Aber Kräuterrasen ist optisch vielleicht nicht jedermanns Sache?

Görlitz: Auf einem Kräuterrasen finden viele Insektenarten ihre dringend benötigte Nahrung und einen Lebensraum. Angesichts des akuten Insektensterbens haben Sie als Gartenbesitzer damit die Möglichkeit, einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt zu leisten. Zudem ist ein Kräuterrasen umweltfreundlich und energiesparend, da Düngergaben, häufiges Mähen und Vertikutieren entfallen. Natürlich ist ein Kräuterrasen nicht vergleichbar mit einer herkömmlichen Rasenfläche, aber eines ist sicher: Ab jetzt werden Sie nicht mehr über das lästige „Unkraut“ im Rasen ärgern, sondern sich darüber freuen – Sie haben es ja selbst ausgesät!

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