Überhitzt: Wärmeschutz im Sommer

Im Winter angenehm, im Sommer unerträglich: Zu viel Sonne sorgt in der warmen Jahreszeit schnell für überhitzte Räume. Aber muss es dann wirklich gleich eine teure und streitbare Klimaanlage sein? Kleine Tipps können die Hitze schon erträglicher machen. Und bei der aktuellen Energieeinsparverordnung geht’s auch nicht nur darum, im Winter die passende Wärmedämmung zu finden: Berücksichtigt wird auch der sommerliche Wärmeschutz.

Ein bisschen Schatten …

Sommer 2018 – ein Sommer, wie wir ihn vielleicht in Zukunt öfter haben werden. Durchgängig heiß, extrem trocken, nicht nur die Landwirte beklagen sich über fehlenden Regen. Und wenn mal was runterkommt, reicht es nicht einmal für den Garten. Und in den Häusern sitzen die Menschen in ihren verdunkelten Räiumen und träumen von einem effizienten Wärmeschutz. Das Schöne: Wer jetzt etwas dafür tun möchte, hat gute Chancen auf Förderung.

Allerdings: Wer in den Genuss einer KfW-Förderung kommen möchte, muss sommerlichen Wärmeschutz nachweisen. Das geht beispielsweise durch ein normiertes Simulationsverfahren – oder eine Berechnung, die standardisierte Klimadaten berücksichtigt. Da wird über jedes einzelne Zimmer informiert. Ob zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden sollten, um die Sonnenbelastung zu reduzieren – und in welchem Umfang. Natürlich betrifft das vor allem die Zimmer, die nach Süden zeigen. Als Faustregel gilt: Je größer die Fensterfläche ist und je kleiner die Zimmer selbst sind, desto eher muss aktiv vor zusätzlicher Wärme geschützt werden.

Energieeinsparverordnung mit vielen Regelungen

Erst seit 2002 existiert die Energieeinsparverordnung (EnEV) in Deutschland als Bundesrechtsverordnung für Wohn- und Bürogebäude – und „für gewisse Betriebsgebäude“. Sie definiert Mindestanforderungen an Wärmeschutz und Energieeffizienz, vor allem der Anlagentechnik. Und sogar erst seit der Fassung von 2007 führt die EnEV Anforderungen an den Wärmeschutz im Sommer.

So soll die Überhitzung ebenso verhindert werden wie der überflüssige Betrieb energiefressender Klimaanlagen. Zwar gab es auch vor 2002 schon eine Wärmeschutzverordnung (WSchV) sowie eine Heizungsanlagenverordnung (HeizAnlV), die aber waren längst nicht mehr zeitgemäß.

Wichtig: Wo liegt das Grundstück?

Auch wenn sich die Gesetzgeber um Übersichtlichkeit bemühten, leicht zu durchblicken ist die Gesetzeslage für Wohneigentümer nicht. Wann kann nun eine KfW-Förderung helfen, wenn es um die Linderung der Sommerhitze geht? Bei der Beantwortung dieser Frage ist auch die Lage des Hauses wichtig: Die Ausrichtung spielt tatsächlich eine große Rolle!

KA, FR, S: Heiße Sommer im Land – richtig heiß!

Wer helle Räume haben möchte, erhält damit in aller Regel nicht nur ein Plus an Wohnatmosphäre, sondern spart vor allem in der Übergangszeit Heizkosten. Die meisten Menschen bevorzugen schon deshalb die südliche Ausrichtung. Das bedeutet aber auch mehr Sommerhitze.

Dagegen lässt sich schon mit einfachen Tipps vorgehen – etwas zumindest. Als ganz natürliche Wärmeschützer fungieren etwa Laubbäume. Im Sommer sorgen sie dafür, dass die Sonne nicht direkt aufs Haus prallt – und im Winter lassen sie das spärliche Sonnenlicht durch nun kahle Äste.

Immer besser: Wärmeschutz von Anfang an einplanen

Auch auf den Stand der Sonne lässt sich schon bei der Planung reagieren. Im Winter zieht sie flach übers Firmament, in Sommer steht sie nahezu senkrecht über den Häusern. Das heißt: Im Sommer lassen sich durch ordentliche Dachüberstände, durch Balkone und Vordächer gerade über den Fenstern, die nach Süden gehen, für ausreichend Schatten im Sommer sorgen. Im Winter hindern diese Vorbauten die tiefstehende Sonne nicht daran, ihre wärmenden Strahlen angenehm ins Hausinnere zu senden.

In den Dörfern und Städtchen in Südspanien oder Nordafrika lassen sich diese baulichen Überlegungen praktisch überall erkennen. Nur in Mitteleuropa denken die Planer noch immer viel zu selten an den Wechsel der Jahreszeiten und die damit verbundenen energetischen Besonderheiten im Wohneigentum.

Doppelt schlau: Kollektoren als Sonnenschutz

Gleich doppelt gut ist die ausgeklügelte Verbindung von Sonnenschutz und Sonnennutzung: Man kann Kollektoren für Solarthermie oder Fotovoltaik so anordnen, dass sie die Sonnenstrahlen von Fensterflächen fernhalten – und gleichzeitig zur Strom- oder Warmwassererzeugung nutzen. Allerdings müssen solche Konstruktionen mit Bedacht geplant werden, denn sie verändern das Erscheinungsbild eines Hauses signifikant.

Geschützt mit Rollläden und Markisen

Effizienter Wärmeschutz kann ganz einfach sein: Außen liegende Sonnenschutzsysteme wie Rollläden und ausfahrbare Markisen helfen viel, auch klassische Klappläden sind sinnvoll. Wer die Chance hat, solche Systeme schon beim Hausbau einzuplanen, sollte das unbedingt machen. So sollte man bei Rollladenkästen daran denken, dass die Rohbauöffnungen richtig ausgelegt werden. Auch der Fassadenanschluss muss stimmen.

Grün mildert Hitzeinseln

Markisen für die Terrasse sollten so unbedingt geplant werden, dass sie Lasten in die Außenwand übertragen können. Das gilt auch für die Befestigungspunkte bei Fensterläden. Da kommt es vor, dass zusätzliche Verankerungsmaßnahmen im Wärmedämmverbundsystem nötig werden. Praktisch: Moderne Steuerungen sorgen über Sonnen- und Windsensoren dafür, dass sich Markise oder Rollladen  automatisch öffnen oder schließen – ganz automatisch.

Auch Rollos, Vorhänge und Jalousien im Innenbereich schützen vor zu viel Sonne im Sommer. Die Systeme für den Außenbereich sind wirksamer, denn bei diesen Maßnahmen sind die Sonnenstrahlen ja schon im Wohnbereich und heizen entsprechend die Räume auf. Je nach baulichen Gegebenheiten lässt es sich aber manchmal nicht anders lösen. Dann sollte man aber darauf achten, dass die Fassade, die der Sonne zugewandt ist, hell gestaltet ist. Im Idealfall reflektiert die Fläche sogar.

Das gibt’s auch: Sonnenschutzverglasungen

Noch relativ neu ist die Lösung mit Sonnenschutzverglasungen. Diese Option überzeugt vor allem durch den geringeren Wärmedurchlassgrad. Allerdings: Diese Gläser halten zwar einen guten Teil der Hitze draußen – aber sie lassen auch weniger Licht durch. Im Sommer ist das angenehm, im Winter kommt so aber weniger Tageslicht ins Wohneigentum. Damit reduzieren sich auch die energetischen Vorteile der Wintersonne.

Energiebedarf selbst ermitteln

Sonnenschutz Markise – angenehm im Sommer

Mit einem besonderen Online-Tool können Wohneigentümer den Energiebedarf des Wohngebäudes abschätzen und dann simulieren, wie sich etwa Maßnahmen zur Wärmedämmung auswirken. Darauf weist die Energieexpertin Meike Militz von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hin: „Wir empfehlen den Sanierungskonfigurator des Bau- und Wirtschaftsministeriums,“ sagt sie, „denn der zeigt auch auf, welche Kosten mit den Maßnahmen verbunden sind und welche staatlichen Förderprogramme es dafür gibt.“ So erhalten Wohneigentümer einen ersten Überblick, wie energetische Modernisierung aussehen könnten – natürlich nicht nur beim Thema Wärmeschutz. An dieser Stelle sei übrigens auch an den „Eignungs-Check Solar“ verwiesen, den die Verbraucherzentrale momentan zu besonders günstigen Konditionen anbietet.

Bei so vielen Informationen ist es natürlich immer schwierig, den Überblick zu behalten. Gut, wenn man da einen Partner an der Seite hat, der seine Mitglieder auch bei dieser umfangreichen Thematik bestens unterstützt und umfassend berät. Zum Beispiel mit der Energieberatung des Verbands Wohneigentum Baden-Württemberg.

Alle Fotorechte beim Autor – inklusive Bildschirmfoto vom heißen Julitag 2018 (kostenlose App von weather.com)