Vorsorgevollmacht: selbst bestimmen!

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Für niemanden ist das Thema wirklich angenehm – aber alle sollten sich rechtzeitig damit auseinandersetzen: Was passiert, wenn eine Krankheit, ein Unfall oder sonst ein unvorhersehbares Ereignis eintritt? Wenn man plötzlich nicht mehr entscheiden kann, was passieren soll? Dann ist es wichtig, dass man vorgesorgt hat. Genau: mit einer Vorsorgevollmacht.

„Wie sorge ich richtig für den Ernstfall vor?“ Mit dieser Frage wenden sich immer wieder Menschen an den Verband Wohneigentum Baden-Württemberg. Es ist ein sensibles Thema, denn hier geht es um nicht weniger als das Vermächtnis der Menschen. Und da für den Verband Wohneigentum das Wohlergehen seiner Mitglieder an oberster Stelle steht,  nimmt er diese Frage besonders ernst und steht mit Rat und Tat zur Seite. Es sind zwei Themen, die hier ineinandergreifen: Die Patientenverfügung – und die Vorsorgevollmacht.

Bei der Patientenverfügung sitzt auch ein Arzt mit im Boot, der bei der Durchsetzung der Wünsche Betroffener hilft. Die Vorsorgevollmacht dagegen bestellt nur einen Bevollmächtigten, der die persönlichen Angelegenheiten regelt.

Vorsorgevollmacht: unerlässliches Dokument

Bei Beratungen zeigt sich immer wieder ein grundsätzlicher Denkfehler, den viele Menschen machen. „Mein Partner und meine Kinder sind doch sowieso bevollmächtigt – und zwar automatisch!“ Die klare Antwort, die oft für Entsetzen sorgt: Leider ist das nicht so. Wenn nämlich etwas passiert, wenn also tatktäftige und vor allem verantwortungsvolle Unterstützung benötigt wird, brauchen selbst die nächsten Angehörigen die schriftliche Ermächtigung des Patienten. Und zwar ganz egal, ob es sich um Kinder oder Eltern handelt. Dann ist es eben manchmal zu spät.

Vorsorgevollmacht – Vertrauenssache über Generationen (Foto: Auszug aus der Verbands-Präsentation)

Genau aus diesem Grund ist es wichtig, dass  eine Vorsorgevollmacht vorliegt. Denn ohne dieses Dokument setzt das zuständige Amtsgericht einen Betreuer ein. Und das oft willkürlich, ohne die offensichtlichen Bedürfnisse der Patienten zu berücksichtigen.

Hochsensibles Thema für alle Beteiligten

Natürlich kann der entsprechende Richter einen Familienangehörigen damit beauftragen, weil es meist einfacher ist. Aber selbst dann gibt es ein gerichtliches Verfahren. Dazu gehören dann neben der Anhörung oft auch ärztliche oder sogar psychiatrische Gutachten. Und genau das vermeidet die Vorsorgevollmacht.

Außerdem kennt der Richter die Familienverhältnisse nicht, viele Gerichte scheren sich auch nicht besonders darum. Ob der automatisch eingesetzte Beteuer der von den Patienten gewünschte ist, liegt nicht unbedingt im Interesse der Richter. Dabei muss die eingesetzte Person auch hochsensible Dinge erledigen, wenn man selbst nicht mehr dazu in der Lage ist. Oder wenn man sich nicht einmal dazu äußern kann.

Selbstbestimmt festlegen

„Es ist wichtig“, sagt Harald Klatschinsky, Landesvorsitzender vom Verband Wohneigentum Baden-Württemberg, „rechtzeitig eine Vorsorgevollmacht aufzusetzen. Denn nur so können die Menschen absolut selbstbestimmt die Person festlegen, der sie vertrauen.“ Gerade bei den alltäglichen Entscheidungen muss dieser Vertreter wissen, welche Handlungen die Betroffenen vorziehen. „Wer mit klarem Bewusstsein die rechtliche Vertretung bestimmt, kann sich nicht nur auf abgesprochene Abläufe verlassen,“ so Klatschinsky weiter, „sondern erspart sich und seinen Angehörigen auch ein staatliches Verfahren, das am Ende auch noch mit hohen Kosten einhergeht.“ Dabei gilt es auch zu bedenken, dass Gerichte keinen Betreuer bestellen, wenn ein Vorsorgebevollmächtigter dieselben Aufgaben übernehmen kann.

Harald Klatschinsky

„Es ist wichtig, rechtzeitig eine Vorsorgevollmacht aufzusetzen.“ Harald Klatschinsky

Das Vertrauen zur erwählten Person muss also sehr groß sein. „Wer eine Vorsorgevollmacht erteilt, sollte sich das ganz genau überlegt haben“, sagt deshalb auch Roland Schimanek, Landesgeschäftsführer vom Verband Wohneigentum Baden-Württemberg. „Immerhin geht es um eine enorme Verantwortung, so Schimanek weiter, „wenn eine Person in allen Dingen für einen entscheidet, sollte es auch wirklich die richtige Person sein. Man darf dabei auch nicht vergessen, dass Bevollmächtige nicht unter gerichtlicher Kontrolle stehen – im Gegensatz zu einem bestellten Betreuer.“ Daher sollte man die Vollmacht auf keinen Fall leichtfertig ausstellen.

Roland Schimanek

„Bei der Vorsorgevollmacht geht es um eine enorme Verantwortung!“ Roland Schimanek, Landesgeschäftsführer

Mehr Kontrolle: Betreuungsverfügung

Es gibt aber durchaus eine Möglichkeit, diese Kontrolle auch dann zu behalten, wenn die eigene Handlungsfähigkeit komplett außer Kraft gesetzt ist. Vertrauen ist gut – da aber etwas Kontrolle nicht schaden kann, kommt hier die Betreuungsverfügung ins Spiel. Als Alternative zur klassischen Vollmacht ist die Betreuungsverfügung eine selbstbestimmten Vorsorge, die zumeist unter Partnern geschlossen wird – in Gegenseitigkeit.

Oft wird auch ein Sohn oder eine Tochter bevollmächtigt. Wichtig ist dabei, dass das „Kind“ nicht nur eingeweiht ist, sondern das entsprechende Dokument unterschreibt. Denn das muss jedem klar sein: Niemand ist verpflichtet, eine Vollmacht zu übernehmen! Wer gegen seinen eigenen Willen für eine Vollmachtstätigkeit bestimmt wird, kann das ablehnen.

Wichtiges Dokument: Vorsorgevollmacht muss sein!

Nur eine Unterschrift stellt sicher, dass der eingesetzte Betreuer – ob Partner oder Nachkomme – auch wirklich zur Tätigkeit bereit ist. Wer sich aber bereit erklärt, eine Vollmacht zu übernehmen, sollte das ebenfalls nicht leichtfertig tun. Die Unterschrift kann nämlich bedeuten, dass sich von heute auf morgen das eigene Leben verändert. Dass mit einer Generalvollmacht plötzlich eine große Verantwortung auf einem lastet, die gestemmt werden will. Die Vollmacht kann ganz plötzlich wirksam werden, denn kein Gericht prüft, ob die Patienten wirklich nicht mehr eigenständig handeln können.

Nützlich: mehrere Bevollmächtigte

Wenn es nun darum geht, die richtige Wahl der Personen zu treffen, ist Weitsicht ebenso gefragt wie Fingerspitzengefühl. Um zu verhindern, dass die in der Vorsorgevollmacht genannte Person die eigenen Interessen über die der Betroffenen stellt, kann man auch mehrere Personen bevollmächtigen.

Dabei müssen aber wieder einige Dinge bedacht werden: Können alle bestimmten Personen auch für sich alleine handeln – oder geht das nur im Team? Die Team-Variante, wenn also nur gemeinsam gehandelt werden darf, wird es im Alltag oft schwierig. Ständig müssen Entscheidungen abgesprochen werden, die Kontrolle, die über die Gesamtvertretung gegeben ist, kann zum Hemmschuh werden. Bei schwerwiegenden Entscheidungen lassen sich allerdings immer zwei oder sogar drei Personen bestimmen, die nur gemeinsam entscheiden können. Etwa wenn es darum geht, den Umzug in ein Pflegeheim zu entscheiden.

Gute Wahl ist wichtig

Wenn sich mehrere Personen die Verantwortung teilen, hat das auch weitere Vorteile. Nur ein Beispiel: Während der Sohn mit medizinischen Dingen vertraut ist, behält die Tochter den Überblick in den Finanzen – und kann sich in Gesprächen besonders charmant durchsetzen. Da spielen also so verschiedene Faktoren wie Erfahrung, Ausbildung und Talent eine Rolle. So ist es praktisch, wenn man für die einzelnen Lebensbereiche jeweils die passende Person bestimmen kann.

Aber: Nur wer die einzelnen Situationen umfassend auflistet, hat bei der Vorsorgevollmacht die volle Sicherheit. Man kann dadurch auch zusätzliche Sicherheit erlangen, indem man beispielsweise Schenkungen komplett ausschließt – unter allen Umständen. In der Liste steht dann auch, wer bei medizinischen Maßnahmen einwilligen darf, wer die Krankenunterlageneinsehen kann, wer über Risiken bei der Behandlung bestimmt.

Besondere Befugnisse

Und wenn es um Entscheidungen geht, die für die persönliche Freiheit und Unversehrtheit von Belang sind, sollte auch die von den Betroffenen favorisierte Person in der Verantwortung sein. Wie anfangs schon gesagt: Niemand beschäftigt sicher damit. Aber wenn es am Ende darum geht, welche lebenserhaltenen Maßnahmen gewünscht sind oder ob bewusstseinsveränderte Medikamente eingesetzt werden, dann ist es seh wichtig: Den entscheidenden Personen muss man vollkommen vertrauen.

Für Wohneigentümer gehört zu den brennende Fragen natürlich: Was geschieht mit Haus oder Wohnung? Wenn regelt als Bevollmächtigter alles, was im Zusammenhang mit Wohneigentum anfällt? Mitglieder lassen sich dabei selbstverständlich auch vom Verband Wohneigentum beraten.

Notariell beglaubigt

Einfach ausdrucken und ausfüllen: Vordruck vom Justizministerium (Auszug)

Aber es geht um mehr als Haus und Garten: Es geht um Verhandlungen mit Behörden, mit Versicherungen und mit Krankenhäusern. Und um die Verwaltung des Vermögens. Wer also betreut das Vermögen – und wer hat eine Kontovollmacht? Wichtig dabei auch: Wurde auch kein Konto vergessen? Gibt es noch Sparguthaben oder Grundstücke? Wer sich um Grundstücksfragen oder um ein Familienunternehmen handelt, geht dann nichts ohne eine notarielle Beurkundung.

Zur Erstellung einer Vorsorgevollmacht gibt es mehrere Wege. Die einfachste: Das Bundesjustizministerium beitet einen kostenlosen PDF-Download an. Das Dokument hat gerade einmal vier Seiten und beinhaltet die nötigsten Vorkehrungen.

Anhand dieser Mustervollmacht lässt sich das wichtige Dokument also selbst erstellen. Natürlich lassen sich auch über die Rechtsberatung des Verbands Wohneigentum Baden-Württemberg rechtlich sichere Vollmachten erstellen lassen – zu günstigen Konditionen. Am besten, man vereinbart einen Termin, um gleich noch die Patientenverfügung mit zu erledigen. Auch die nötigen natariellen Beglaubigungen lassen sich so gleich abdecken. Nicht vergessen: Für Immobilienangelegenheiten brauchen die eingesetzten Personen unbedingt eine notariell beglaubigte Vollmacht. Der Notar, der die Vollmacht erstellt, behält dann das Original, an den Vertreter geht eine beglaubigte Abschrift.

Registrierung im Vorsorgeregister

Sinnvoll ist es auch, die Vorsorgevollmacht im Zentralen Vorsorgeregister anzumelden – am besten gemeinsam mit der Patientenverfügung. So ist gewährleistet, dass das zuständige Betreuungsgericht im Ernstfall gar nicht erst auf die Idee kommt, einen Betreuer zu bestellen. Jedes Gericht checkt nämlich zuerst das Register. Die Vorsorgeurkunde wird also gleich entdeckt.