Weidenkuppel als Schutz für den Komposthaufen.

Skeptisch schauen die Nachbarn über die Hecke. Was hat wohl dieses igluförmige Gebilde für eine Bedeutung, das gerade aus einem Haufen Zweige und ein paar Meter Schnur entsteht? Es bedarf einiger Erklärung, dass hier gerade eine Weidenkuppel gebaut wird, die in Zukunft den Komposthaufen verstecken und beschatten soll.

Aus  Weidenruten lassen sich die verschiedensten Bauwerke in unseren Gärten erstellen. Weidenruten haben die besondere Fähigkeit, wenn sie in den Boden gesteckt werden, im nächsten Jahr wieder auszutreiben. Diese Eigenschaft wurde schon lange zur Ufer- und Böschungssicherung genutzt, doch erst in den letzten Jahren haben Weidenbauten auch in unsere Gärten Einzug gehalten.

Der Phantasie sind beim Bauen keine Grenzen gesetzt: ob als Flechtzaun, schattenspendende Pergola, lebendes Kunstwerk, zur Grundstücksbegrenzung oder als Weidenhütte mit Kriechtunnel für Kinder – mit einem Weidenbau können Sie Ihren Garten mit etwas Einzigartigem aufwerten, was es nicht im Baumarkt von der Stange zu kaufen gibt.

Die Weide – Ein Lebenskünstler

Etwa 300-500 verschiedene Weidenarten besiedeln die Erde, vom tropischen Äquator bis in die Alpen auf Höhen von 3400m. Die Wuchsformen reichen dabei von 30m hohen Bäumen bis hin zu Zwerg- und Teppichformen. Weiden können sich also an viele Standortbedingungen anpassen und sie vertragen Überfüllungen und Überschwemmungen.

Geeignete Arten für Weidenbauten

Ein frischer Weidenzaun kurz nach dem Anwachsen.

Die bei uns vorkommende Korbweide (Salix viminalis) oder Silberweide (Salix alba) besitzen eine gute, vegetative Vermehrbarkeit.

Das heißt, in den Boden gesteckte Zweige dieser Arten wachsen leicht an.

Zu beachten ist, dass sich die Silberweide ohne Schnitt zu einem großen Baum entwickelt, während die Korbweide eher strauchartig wächst.

Zeitpunkt

Der beste Zeitpunkt für den Weidenschnitt und das Bauen von Weidenbauten ist von Mitte Oktober bis Ende März.

Wird nicht direkt nach dem Schnitt mit dem Bauen begonnen, empfiehlt es sich die Ruten kühl und feucht zu lagern.

 

 

Schneiden

Um Weidenschnittgut zu beziehen kann man bei Naturschutzverbänden und Gemeindeämtern (Gartenbauamt, Straßenmeisterei) anfragen, die oft Standorte nennen können, an denen man Weiden selbst schneiden kann. Inzwischen kann man Weidenruten auch über Firmen beziehen. Für lebende Bauwerke benötigt man austriebsfähige Ruten mit einer Stärke von 1-3 cm. Für Flechtarbeiten braucht man möglichst dünne und biegsame Ruten.

Standort

Wählen Sie für ihr Weidenbauwerk einen sonnigen Standort. Hier entwickeln sich die Weiden am Besten. Zu beachten ist auch, dass Weiden zu angrenzenden Pflanzungen oft in Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe treten.

Bauen

Eine schematische Skizze für den Bau eines Weidenobjekts.

Alle Weidenruten die wieder austreiben sollen, werden ca. 30-40cm tief in den Boden gesteckt und angegossen. Danach werden die Ruten in der gewünschten Form, z.B. zu einem Tunnel oder einer Weidenkuppel zusammengebunden und -geflochten. Für größere Bauwerke wie z.B. Pergolen können die Ruten auch gebündelt, geschnürt und dann tief in den Boden eingegraben werden.

Bauen Sie zusammen mit Kindern, die für diese Arbeiten leicht zu begeistern sind und die ihr Weidenhaus nachher besonders zu schätzen wissen. Da alle mithelfen können, sind Weidenbauten auch besonders für Schul- und Kindergärten geeignet.

 

 

 

 

 

Pflege

In den folgenden 2 Jahren sollten die Weidenruten immer gut gegossen werden, damit sie auch sicher austreiben. Das spätere Aussehen des Bauwerks hängt stark von der Pflege ab. Entweder wächst ein großer Busch daraus, oder die neuen Triebe werden immer wieder eingeflochten oder abgeschnitten. Ein lebender Weidenzaun kann z.B. wie eine Hecke mit der Heckenschere geschnitten werden.

Zum Schluss

Weiden haben bei uns eine wichtige ökologische Bedeutung. So sind die Weidenkätzchen eine der ersten Futterpflanzen für die Bienen nach dem Winter. Die früher sehr viel häufigeren Kopfweiden beherbergen sogar die größte Artenvielfalt an Insekten und Kleinsäugern aller heimischen Bäume.

Sven Görlitz, Gartenberater Verband Wohneigentum Baden-Württemberg e.V.